Ein Erfahrungsbericht von Tim
Meine Reise mit ewigen und wiederkehrenden Mandelentzündungen begann im März 2024, als ich eines Abends ein äußerst unangenehmes Kratzen im Hals bemerkte. Dieses Kratzen entwickelte sich dann schnell in einen sehr intensiven Schmerz, welcher insbesondere beim Schlucken verstärkt wurde. Die Diagnose des Arztes war beim Anblick der Mandeln schnell gefunden: Eitrige Angina.
Im Anschluss machte ich mich auf den Weg in die anliegende Apotheke, holte mir das verschriebene Antibiotikum und begab mich schnellen Schrittes zurück nach Hause. Nichtwissend, dass dies der Anfang einer langen, schmerzhaften Reise wird, bei der mir jenes Antibiotikum ein treuer Begleiter werden sollte.
Nach 1-2 Tagen verspürte ich bereits eine Besserung und somit nahm ich das Antibiotika wie empfohlen bis zum Ende der 7 Tage ein. 3 Tage nach Absetzen des Antibiotikums begrüßte mich dann erneut ein starkes und unangenehmes Kratzen im Hals mit starken Schmerzen beim Schlucken.
Ernüchtert trat ich erneut den Weg zum Arzt an, wieder bekam ich ein Antibiotikum und so ging das ganze dann mehrere Wochen bis ich dann nach 4 fehlgeschlagenen Antibiosen und unveränderten Schmerzen bei meinem HNO förmlich um eine Tonsillektomie gebettelt habe, da mein mentales Wohlbefinden doch mittlerweile sehr angeschlagen war und ich meinem Körper diese ständigen Antibiotika-Therapien nicht mehr zumuten konnte. Da mittlerweile kein Arzt mehr wusste was man sonst noch tun konnte, bekam ich von meinem HNO die Eintrittskarte in ein mandelfreies Leben: Der Überweisungsschein ins Krankenhaus. Für manche ein Stück Papier, für mich in dem Moment so wertvoll wie Gold. Endlich war Licht am Ende des Tunnels.
Kurz darauf bekam ich den Termin für die OP: Anfang Oktober soll es unter das Messer gehen. Das Licht war dann doch weiter entfernt als anfangs erhofft.
Ich wusste was die OP mit sich bringen wird, insbesondere die Phase danach und auch wenn ich davon ausging, dass ich mit meinen 20 Jahren einen vielleicht leichteren Heilungsverlauf erwische, war ich doch etwas nervös im Hinblick auf die 2 Wochen danach.
TAG 0:
Nach monatelanger Wartezeit war es dann soweit. Ich betrat am Morgen des Operationstages das Krankenhaus und war um 11 Uhr dann an der Reihe. Etwas aufgeregt und ängstlich im Wissen was mich in den 10-14 Tagen im Anschluss erwarten wird, wurde ich von den Ärzten sanft in das Träumeland geschickt und wachte später mit leichtem Halskratzen wieder auf. Gerade noch in der Karibik am Strand gelegen, befinde ich mich plötzlich bei halbem Bewusstsein im Aufwachraum eines Krankenhauses mit zwei riesen Kratern im Hals. Schöner Mist.
Der Rest des Tages verlief weitgehend entspannt. Das Sprechen war soweit normal, das Trinken und Essen aber schon etwas schwieriger, dennoch kann man hier nicht von Schmerzen sprechen, lediglich von einem nervigen Kratzen im Hals.
TAG 1-4:
Die ersten Tage lassen sich kurz und knapp zusammenfassen. Essen und Trinken war gut möglich, soweit die Schmerzmittel genutzt wurden.
Entlassen wurde ich bereits am 2. Tag Post-OP. Novalgin und Ibuprofen waren ab dann mein täglicher Begleiter. Als Joker bekam ich noch ein Opiat mit, welches ich bei sehr intensiven Schmerzen nutzen sollte. Dass dieses Mittel im weiteren Verlauf noch mein bester Freund werden soll, ahnte ich am Entlassungstag noch nicht. Ich trank so viel Wasser wie es ging, ich aß so viel wie nur in meinen Magen reinpasste. Die Devise war klar: Die Beläge müssen runter! Beim Gedanken an potentielle Nachblutungen kam bei mir wenig Freude auf, weswegen ich in den ersten Tagen alles in mich einverleibte wie es nur ging. Ich hab es mir obendrein auf die Visitenkarte geschrieben der erste Mensch werden zu wollen, der nach einer Mandeloperation nicht abnahm, sondern etwas an Gewicht drauflegte. Bei meiner recht schmächtigen Figur weitaus erstrebenswerter. (Spoiler: Das Ziel wurde kläglich verfehlt.)
TAG 5-7:
Nach recht ereignislosen ersten 4 Tagen durfte ab Tag 5 mit mehr Spannung gerechnet werden: Die erste Blutung!
Nachts wachte ich auf, spuckte vor lauter Speichel in ein Taschentuch und plötzlich war mein Taschentuch rot gefärbt. Nach anfänglicher Hoffnung , dass sich zufällig in dieser Nacht ein eventuell viel zu lang existierender Milchzahn verabschiedet hat, musste ich dann doch recht schnell der Wahrheit ins Auge blicken und erkannte im hinteren Bereich eine Blutung, die meine Alpenberglandschaft im Rachen rot färben ließ. Eis in den Nacken, Eiswürfel in den Mund und warten. Und warten. Und warten. Nach 25 Minuten war mir die Warterei zu blöd und somit rief ich dann doch den Rettungswagen. Die Blutung hörte dann just in dem Moment auf, als jene Sanitäter dann die Wohnung betraten. Meisterhaftes Timing. Der Check-Up beim HNO am anschließenden Morgen ergänzte, dass es sich hier nur um eine leichte Blutung handelte. Es sollte auch nicht die letzte sein, aber alle Blutungen konnten selbst gestillt werden. Wenn ihr blutet und am zweifeln seid, dann ruft den Krankenwagen lieber ein mal zu viel als zu wenig, um sicher zu gehen dass auch alles okay ist, da im Notfall wirklich nicht zu spaßen ist damit.
Hier begannen dann auch die schmerzhaften Tage, an denen sich die Wundbeläge lösten. An Essen und sprechen war hier nicht mehr zu denken. Trinken ging nur bei Einnahme des Opiats. Die Schmerzmittel machten obendrein auch noch einige Nebenwirkungen und somit ergaben sich drei unfassbar schmerzhafte und unbequeme 72 Stunden. Jeder Schluck Wasser brannte wie reinster Spiritus, jedes gesprochene Wort glich einem Stoß eines Dolches in den Hals und für das Essen fällt mir kein passender Vergleich ein, der diese Intensität von Schmerzen adäquat wiedergeben kann.
Ich will hier niemanden Angst machen, die Schmerzen waren wirklich stark, aber dennoch steht man auch diese Phase durch und schlimmer wird es danach nicht, ganz im Gegenteil. Holt für diese Tage eure stärksten Schmerzmittel aus der Reserve. Es ist nicht schlimm wenn das Essen an diesen Tagen entfallen muss, aber trinkt viel! Dass ihr hydriert bleibt ist das A&O bei der Regeneration. Leider hat mir da auch nichts anderes geholfen außer mein Opiat. Alles was an meiner Wunde vorbeikam brachte Schmerzen, auch Wassereis und Pudding. Steigt hier lieber auf ein Medikament um, welches den Magen weniger belastet.
Nach 3 herausfordernden Tagen, konnte ich aber am Abend des Tag 7 bereits wieder etwas essen. Es reichte zwar nur für etwas Rührei und einfachen Toast, aber es fühlte sich an diesem Abend wie das Abendmahl zu Weihnachten an. Ab hier wusste ich: Ich bin auf der anderen Seite des Berges!
TAG 8-10:
Ab Tag 8 wurden die Schmerzen besser und besser. Die Schmerzmittel konnten nach und nach gesenkt werden bis sie an Tag 10 gar nicht mehr gebraucht wurden. Auch das Essen und sprechen verbesserte sich nun erheblich. In der Nacht vom 8. auf den 9. Tag wurde ich nochmals von einer Blutung geweckt, aber auch diese ließ sich schnell stillen.
Nun befinde ich mich an 11 Tag nach der Operation. Nachts kann ich wieder durchschlafen, Spaziergänge sind wieder möglich und allgemein steigt das Wohlbefinden von Tag zu Tag kontinuierlich. Die letzten 1,5 Wochen waren ein unangenehmer Ritt, aber was sind schon 1,5 schmerzhafte Wochen im Vergleich zu 7 Monaten, die ich mit chronisch entzündeten Mandeln verbracht habe? Letztendlich waren es auch nur die Tage 5-7, welche wirklich erhebliche Schmerzen mit sich brachten.
Letzendlich mein Tipp an euch: Wenn ihr immer wieder mit Mandelentzündungen zu kämpfen habt, macht die Operation! Nehmt euch die 2 Wochen und beisst ein Mal in den sauren Apfel. Auf der anderen Seite befindet sich ein Leben ohne ständige Entzündungen, ausufernde Erkältungen und Antibiotika im Monatsabo. 2 Wochen Erholungszeit stehen nicht ansatzweise im Verhältnis zu jahrelanger Tortur mit einem Entzündungsherd in eurem Körper, der durchaus großen Schaden anrichten kann.
Meine Tipps:
- Bleibt hydriert! Trinken, Trinken, Trinken! Das vermutlich wichtigste während eurer Regeneration.
- Esst soweit es geht. Nur durch das Essen lösen sich die Wundebeläge. Mein Arzt sagte ich solle alles Essen bis auf saure Sachen, die unnötige Schmerzen verursachen. Vielleicht mit eines der Gründe wieso ich nach 10 Tagen bereits keine Schmerzmittel mehr brauchte.
- Spart nicht an Schmerzmitteln! Nehmt die Tabletten, die euer Arzt verschrieben hat, denn ihr werdet sie brauchen, insbesondere an den Tagen wenn sich die Beläge lösen. Spielt hier bitte nicht den starken Helden!
- Achtet auf Blutungen! Ich habe selbst 4-5 mal geblutet, aber die Blutungen ließen sich immer von selbst stillen. Kleinere Blutungen sind nicht unüblich und kein Grund zur Panik, sollte es aber zu schwallartigem Austritt von Blut kommen oder sich die Blutung nicht von selbst stillen lassen, zögert nicht die 112 zu wählen. Dafür ist der Rettungsdienst da.
- Trinknahrung als persönlicher Geheimtipp. Trinknahrung hat mir an den Tagen geholfen, an denen nicht an Essen zu denken war, um wenigstens etwas Nährstoffe zu erhalten.
Viel Glück und Erfolg für eure Operation! Ihr schafft das!
Guten Tag!
Vielen Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ich bin gerade bei Tag 6 nach der Operation, und die Schmerzen sind wirklich nicht mehr zu ertragen! Ich habe lediglich Novalgin, Paracetamol und Ibu verschrieben bekommen. Ich merke in der Wirkung jedoch wirklich gar nichts und möchte daher bei meinem Arzt um ein stärkeres Schmerzmittel bitten.
Mich würde interessieren welches Opiat genau hast du benutzt?
Vielen Dank im voraus und liebe Grüße 🙂