Coblations-Tonsillektomie

Ein Erfahrungsbericht von Ibo

Tage 0 bis 16

M, 32, schlank, Tonsillen im entzündungsfreien Zustand eher klein/vernarbt; seit vier Jahren rez. Tonsillitiden; episodenweise stärker und schwächer ausgeprägt; i.d.R. mehrmals p.a. oral Antibiotika (Amoxi, Amoxi Clav, Penicillin V).

2024 ausgeprägte Entzündungen Februar bis Mitte März, vier Entzündungen jeweils immer mit Antibiotika behandelt, nur kurzfristige Besserung; Mitte März bds. Peritonsillitis; Krankenhausaufenthalt, i.v. Ampicillin/Sulbactam und Kortison, sowie Schmerzmittel. Zuvor am Sonntag HNO Notaufnahme oral Clindamycin (keine Besserung); Schlucken (essen/trinken) nicht mehr möglich, extreme Schmerzen; drei Tage Krankenhaus ohne OP, anschließend weiterhin oral Amoxi/Clav.

Die Suche nach einem geeigneten HNO-Arzt für eine OP (TE / Tonsillektomie) war nicht einfach. Fast alle HNO-Ärzte, die ich kontaktiert habe, haben die OP nicht mehr angeboten oder nur für Kinder oder nur Tonsillotomie. In den Kliniken gab es keine frühzeitigen Termine (erst ein halbes bis ¾ Jahr später). Da ich jedoch nun in kürzeren Abständen Entzündungen bekommen habe, war für mich klar, dass ich frühzeitig noch vor dem Juli operiert werden möchte. Letztendlich waren mir dann auch die ganzen Horror-Stories aus dem Internet egal.

Schließlich habe ich dann einen HNO-Arzt gefunden, der auch Erwachsene operiert. Jedoch nur mittels Coblationstechnik, die die gesetzl. Krankenkasse aber nicht übernimmt. Für mich war das in Ordnung, da ich mich von der Methode überzeugt gefühlt hatte. Recherche im Internet war ebenfalls überzeugend. Andere HNO-Ärzte meinten, dass diese Methode nicht sinnvoll ist, bzw. wussten gar nicht was das ist. Ich bin froh, dass ich Geld für diese Methode ausgegeben habe, weil die Prozedur danach überhaupt kein Vergleich zu den Horror-Szenarien aus dem Internet war.

Schmerzen waren durchgehend moderat (meine Peritonsillitis war deutlich schlimmer). Ich habe ca. 12 Tage lang Ibuprofen 400 und Novalgin genommen (max. Tagesdosis war ausreichend). In den drei Nächten, die ich im Krankenhaus verbracht habe, hatte ich sehr geringe Schmerzen (da hat Novalgin ausgereicht). Es gab tatsächlich nur stärkere Schmerzen als ich schon daheim war. Überwiegend früh morgens oder abends. Tagsüber war das ok. Schmerzskala i.d.R. 1-3/10, max. 5-6/10. 

Ich war drei Wochen krankgeschrieben. Die waren auch nötig, da sich meine Beläge bzw. der Schmierfilm erst in der dritten Woche komplett gelöst hatte. Die dickeren Beläge waren schon ab Tag 12 deutlich geringer. 

Blutung: Ja, als ich daheim war hat es manchmal geblutet. Aber überwiegend in der Nacht, während dem Schlafen und dann habe ich es nicht bemerkt. Erst am nächsten Morgen hatte ich gesehen, dass sich kleine „rote Krusten“ gebildet haben. 

Einmal hat es abends geblutet und sich ein größeres Koagel gebildet. Beim Lösen hatte es immer nachgeblutet. Ich habe daraufhin, um sicher zu sein, einen Krankenwagen gerufen. Musste jedoch nicht ins Krankenhaus. Die Nacht war schlimm, da ich den Blutgeschmack im Mund hatte und im Rachen dieses große Koagel gespürt hatte. (Kühlpackts und Eiswasser zur Blutstillung).

Nahrungsaufnahme: Schon am ersten Tag nach OP konnte ich alles essen. Auch Brötchen gingen. Ich habe nur drauf geachtet, dass ich nichts stark gewürztes, saures, schwierig zu kauendes und heißes esse bzw. trinke. (2,5 – 3 Wochen kein Obst, keine Nüsse, keine Tomaten, keine Säfte, kein Cola).

Eiswürfel im Wasser, Kühlpacks waren hilfreich.

Speiseeis: nur wenig (Vanille).

Ab Tag 13 habe ich keine Schmerzmittel mehr benötigt.

Körperliche Schonung war wichtig. Wenig sprechen. Kein Sport (erst nach 3 Wochen wieder).

Kein zu heißes duschen.

Zähne putzen vorsichtig und nur mit Kinderzahnbürste.

Gurgeln mit Bepanthenlösung und Salbeitee (kalt !).

Empfehlung Aufenthalt im Krankenhaus: 2-Bett-Zimmer oder Einzelzimmer. Ich hatte ein 2-Bett-Zimmer gebucht. War aber allein drin. Die Ruhe braucht man! Auch daheim war ich allein und das war wirklich sehr gut. 

Heute, in Woche 4 kann ich nur mitteilen: Ja, ich hatte schon „Angst“ vor der OP. Aber nur weil ich keine starken Schmerzen wollte. Das ist zum Glück aufgrund der gewählten OP-Methode nicht eingetreten. Sucht einen HNO-Arzt, der „fähig“ ist zu operieren. Sucht einen HNO-Arzt, der euch die Coblationstechnik anbietet. (Weitere Infos dazu siehe Internet) 

Mein HNO-Arzt war sehr nett. Die tägl. Visiten bzw. auch die Nach-Kontrollen waren alle sehr gut. Er hat mir gute Hinweise gegeben und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Allgemein ist auch die HNO-Praxis und das OP-Team der HNO-Praxis einfach zu empfehlen. 

Daher ganz wichtig, fragt nicht nur einen HNO-Arzt, sondern ruft mehrere an. Ich habe mehrere Wochen damit verbracht im Internet nach HNO-Ärzten zu suchen, die überhaupt eine TE anbieten und das in Frankfurt. 

Zum Glück muss ich nicht mehr an den Mandeln operiert werden, aber wenn ich das müsste, dann wieder durch die Coblationsmethode.

Achtet darauf, dass wirklich gesamtes Mandelgewebe entfernt wird, ansonsten kann sich der übrig geblieben Rest nach der OP wieder entzünden. 

Solltet ihr euch für die Tonsillotomie entscheiden, weil das Blutungsrisiko und die post-operativen Schmerzen geringer sind, dann bespricht das ausgiebig mit eurem Arzt. Das Mandel-Restgewebe wird/kann sich zukünftig wieder entzünden und dann müsst ihr euch ggf. erneut operieren lassen. Dabei sind die Schmerzen ggf. heftiger, da der Arzt vermutlich mehr vernarbtes Gewebe entfernen muss (größere/tiefere Wunden), evtl. auch Abzessherde. Lasst euch also die Mandeln am besten radikal entfernen. War auch der Tipp meines HNO-Arztes.

Als Orientierung: In Summe hat mich die OP ca. 1.000 EUR gekostet. Darin enthalten sind die Coblationskosten, das 2-Bett-Zimmer (drei Nächte) und die Tagespauschale (vier Tage) der Krankenkasse. Die restlichen Krankenhauskosten werden von der gesetzl. Krankenkasse übernommen.

4 Kommentare zu „Coblations-Tonsillektomie“

  1. Liebe Alle,
    ich wurde auch Mitte Juni mithilfe der Coblations-Technik operiert – ganz ohne zusätzliche Kosten – und bin rundum zufrieden (Bericht folgt hier noch).
    Ich möchte betonen, dass die OP durch die Coblation in Hildesheim (bei Herrn Dr. Morad Ilbagian) im Helios ohne weitere Kosten durchgeführt und von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird. Herr Dr. Ilbagian ist eine Koryphäe auf dem Gebiet (einfach mal googlen), absoluter Experte und auch noch überaus emphatisch. Bei ihm seid Ihr wirklich in den besten Händen. 🙂 Bei weiteren Fragen meldet Euch gerne mal…

  2. Hallo, ich war bei HNO Medic Bornheim. Es gibt da verschiedene Standorte. Die Klinik konnte ich mir nicht aussuchen. Das schlägt die Praxis vor (war hier Bethanien).

    Ja, meine gestzl. KK hat das nicht übernommen. Hatte auch keine zusätzl. Versicherung. Das muss man evtl. vorab abklären.

    1. Hallo Ibo,
      mich wundert, dass du die Methode bezahlen musstest! Muss dann an der Kasse liegen, die das Verfahren nicht unterstützt, oder!?
      Meine Kasse hat es anstandslos bezahlt!

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