Ein Extremfall (mit 38)

Ein Erfahrungsbericht von Matthias

Hallo zusammen,

Ich, männlich 38 Jahre alt, war nun fast 4 Wochen im Krankenhaus was mir den Anlass gab zu recherchieren – wobei ich auf diese Seite gestoßen bin. Ich hatte im meinem Leben noch nie eine OP und war noch nie stationär im Krankenhaus. 

Meine Leidensgeschichte ist eher ungewöhnlich und wurde so von keinem der Ärzte je erlebt. Ich bin hier die ,medizinische Attraktion‘. Ich möchte niemanden abschrecken, die Chance, dass so etwas passiert, liegt bei eins zu einer Million sagen die Ärzte.
Aber nun von vorne:

Ich hatte eigentlich noch nie Probleme mit Mandelentzündungen, einmal in 5 Jahren vielleicht. Seit Corona allerdings häufte es sich auf 2 mal jährlich. Aber auch noch im Rahmen.

Das ganze Drama startete Anfang November mit leichten Halsschmerzen, die sich ca. eine Woche hinzogen, nichts Dramatisches. Es war Samstagabend der 09.11. und die Schmerzen wurden von jetzt auf gleich sehr stark. Nach einer Höllennacht war mir sofort klar, dass ich am Sonntag zur Notaufnahme musste. Die Tatsache dass mein Zäpfchen beim Sprechen immer auf meine Luftrohre ‚fiel‘ bestärkte meine Gedanken: Da stimmt was nicht. 
In der Notaufnahme war dann die Diagnose nach erster Untersuchung schnell klar -> Mandelabszess rechts der mit den Mandeln zusammen operativ entfernt werden musste.
Die Ärztin versuchte erst auf gut Glück den Abszess zu öffnen ohne genau zu wissen wo er ist. Ich weiß nicht, ob die Betäubung nachgelassen hat, es waren die auf jeden Fall größten Schmerzen, die ich je erlebt hatte und gebracht hat es erst nichts… Nach dem ersten Schock wurde ich dann stationär aufgenommen und die OP wurde auf den nächsten Tag eingeplant. 

11.11. Tag 0:
Die Operation. Es gab keinerlei Komplikationen, die OP verlief gut. Auch die Narkose habe ich gut vertragen. Auf dem Zimmer angekommen durfte ich sofort Abendessen, was mich sehr verwunderte im ersten Moment. Aber passte alles. Ein Blick in den Mund zeigte mir eine relativ große Wunde, der Abszess hatte ca. 18 mm.

12. – 15.11. Tag 1 – 4:
Die weiteren Tage verliefen gut. Die Schmerzen waren erträglich und ich konnte weitestgehend ohne Probleme essen. Am Entlasstag 15.11. war ich guter Dinge es bald geschafft zu haben. 

18. – 20.11. Tag 7 – 9:
Auch zu Hause ging es mir soweit gut, es brauchte zwar Ibu, aber keine übermäßigen Schmerzen. Habe mich auch an sämtliche Vorgaben gehalten, viel Ruhe und beim Essen alles penibel eingehalten. Von den Speisen, die ich essen darf, konnte ich normale Mengen wie vor der OP essen. Es war am 18.11., abends auf dem Sofa, ich wollte gerade ins Bett – Blutgeschmack! Erstmal Ruhe bewahren, kühlen und abwarten. Als es etwas nachgelassen hat, habe ich mich trotzdem ins Krankenhaus fahren lassen, was ich so nicht mehr tun würde. Nächstes Mal nur noch mit dem Rettungswagen. Aber es ging zum Glück gut. Die Blutung war immer noch leicht vorhanden. In der Notaufnahme hat es zwischenzeitlich aufgehört zu bluten. Ich wurde ohne weitere Behandlung aufgenommen. Nachts hatte ich dann nochmals eine leichte Nachblutung, die auch von alleine aufgehört hat.
Am nächsten Morgen wurde bei der Untersuchung die Stelle gefunden und neu verödet. Nachmittags dann wie aus dem nichts, ich saß im Krankenbett, eine ziemlich starke Nachblutung. Sofort kam ich ins Arztzimmer wo nun großflächiger verödet werden musste.
Nun war ich wieder guter Dinge und wurde am nächsten Tag (20.11.) entlassen. 

21. – 23.11. Tag 10 – 12:
Nach einer guten Nacht zu Hause, dachte ich, ich sei mit dem Gröbsten durch. Da hatte ich mich getäuscht. Ich habe mich den ganzen Tag geschont und wie zuvor schön mich an alles gehalten. Abends dann der Schock, wieder auf dem Sofa: Nachblutung! Dieses Mal ziemlich stark und als ich merkte, dass es nicht aufhört, haben wir den Rettungswagen gerufen. Hier mussten wir noch diskutieren, da vom Rettungssanitäter die Notwendigkeit eines Transports angezweifelt wurde. In der Notaufnahme wurde mir dann die blutende Stelle neu verödet. Insgesamt habe ich ca. 3 Gläser Blut verloren. Bei der stationären Überwachung verlief dieses Mal alles ohne Zwischenfälle. Am zweiten Tag verspürte ich auf der linken Seite etwas Halsschmerzen, was ich den Ärzten mitteilte, mich aber nicht sonderlich beunruhigt hat. Am Entlasstag, Samstag, wurden die linken Mandeln nochmal genauestens abgetastet und untersucht. Sie waren nur leicht gerötet, also alles gut.

23.11. Tag 12:
Wieder zu Hause war alles gut, Schmerzen waren wie über den gesamten Zeitraum mit Ibu erträglich. Am Abend dann von jetzt auf gleich die Ernüchterung. Die Halsschmerzen links haben plötzlich zugenommen. Große Sorgen habe ich mir aber nicht gemacht. Das änderte sich dann über die Nacht.

24.11. Tag 13 / 0:
Ich hatte wieder eine Höllennacht; unglaublich. Was war denn da schon wieder los? Aber es wird doch nicht wieder… ne, das kann nicht sein. Auch mit Hintergrund auf die Wunde der rechten Seite war recht schnell klar, dass es wieder in die Notaufnahme geht. Ob er glaubt, dass es wieder ein Abszess sei, meinte der HNO-Arzt – die Chance innerhalb so kurzer Zeit wieder einen zu bekommen sei gleich Null. Das habe er noch nie gesehen. Der Schock war dann umso größer als er reinschaute und die Diagnose innerhalb Sekunden kam. Asymmetrie.. sie haben wieder einen Abszess!! Der Schock war riesig, ich den Tränen nahe. Nachdem eine Punktion den Abszess nicht lokalisieren konnte, musste ich wieder ins CT. Anschließend meinte die Oberärztin, sie könne den Abszess ohne OP öffnen, allerdings würde sie mit meiner Vorgeschichte eine erneute Operation inkl. Entfernung der linken Mandeln empfehlen. Für mich war die Sache relativ schnell klar. Augen zu und durch, dann ist ein für alle mal Ruhe. Ich durfte dann direkt von der Notaufnahme in den OP und wurde sofort operiert. Der Abszess war etwas größer als der erste, ca. 23 mm.

25. – 28.11. Tag 1 – 4:
Diese Mal verlief alles nicht ganz so glatt wie nach der ersten OP. Die Narkose hatte ich schon nicht gut vertragen, es schmerzte allgemein deutlich mehr. Zu allem Überfluss reagierte ich auf Tilidin sowie Novalgin Schmerzmittel mit einer Unverträglichkeit. Die Krönung war eine eintägige Isolation weil mein Nachbar einen Antibiotika-resistenten Keim hatte… Körperlich und mental zehrte es dieses Mal ungemein, von Nachblutungen blieb ich aber zum Glück verschont. Bis jetzt…
Am 28.11. durfte ich wieder nach Hause.

30.11. – 03.12. Tag 6 – 9:
Am Abend des 30.11. dann das was ich befürchtet habe. Ich wusste durch die 1. OP, dass ich für Nachblutungen gefährdet bin, habe mich deshalb wieder an alle Regeln gehalten, mich komplett geschont. Hatte am Abend schon kein gutes Gefühl, weil es am Zungengrund so komisch spannte. So kam es dann wie es kommen musste. Ich wachte nachts hustend auf und wusste sofort was los ist. Mal wieder ab ins Krankenhaus mit dem Rettungswagen, dieses Mal ohne Diskussionen und mit einer super Betreuung. In der Notaufnahme war ziemlich schnell klar, dass die Stelle neu verödet werden musste, da es ziemlich stark blutete. Die Schmerzen waren teilweise unerträglich, ich glaube die Betäubung ließ irgendwann nach. Aber es musste einfach schnell gehen… Hauptsache nicht in den OP.
Mein Krankenhausaufenthalt wurde aufgrund meiner Vorgeschichte gleich vorab um einen Tag verlängert. Es blieb soweit alles ruhig, am Di. 03.12., durfte ich wieder nach Hause.

03.- 06.12. Tag 9 – 12:
Die Freude darüber währte allerdings nicht sehr lange. Kaum 5 Stunden daheim überraschte mit die nächste Blutung im Schlaf auf dem Sofa. Sie war nicht so stark wie die vorigen, aber ausreichend für die 3. Fahrt mit dem Rettungswagen. Dieses Mal stoppte die Blutung von alleine, ich musste nicht nochmal verödet werden. In den 2 Folgenächten hatte ich erneut 2 leichte Nachblutungen, die beide von alleine aufhörten. Allerdings wurde mein Krankenhausaufenthalt wieder verlängert. 
Am 06.12. durfte ich wieder nach Hause.

07.12. Tag 13:
Ich hatte natürlich mega Angst vor der Nacht und das bewahrheitete sich nach ca. 30 Minuten Schlaf. Wieder wachte ich hustend auf, wieder blutete es. Mit dem Wissen, dass es die letzten beiden Male von alleine aufgehört hat war ich nun etwas cooler. Es blutete nicht stark, dauerte dann aber doch 45 Minuten bis es komplett aufgehört hat. Ich wollte einfach nicht mehr ins Krankenhaus. 

Seither ist zum Glück Ruhe und ich hatte nun 2 Nächte ohne Zwischenfälle. Die Schlafqualität hat deutlich gelitten, die Verunsicherung ist mega groß. Das wird dauern bis da wieder Vertrauen aufgebaut ist.
Nach nun fast 4 Wochen Krankenhaus, Antibiotika und Schmerzmitteln ohne Ende, 8 kg Gewichtsverlust. hoffe ich nun, dass ich es geschafft habe. Ein paar Tage habe ich noch Nachblutungsrisiko, allerdings sieht die Wunde so gut aus, dass ich hoffe nun einfach mal Glück zu haben.

Und zum Schluss die Frage, warum kam das alles so? Was stimmte bei mir nicht.
Laut den Ärzten, die übrigens alle einen sehr gut Job machten, bin ich einfach ein Pechvogel. Ich soll in einer Blutgerinnungsambulanz mein Blut untersuchen lassen. Allerdings ist die Chance relativ klein, dass etwas gefunden wird. Ich hatte kurz vor der 1. OP eine tiefe Schnittwunde am Arm und da hatte ich keinerlei Probleme mit der Blutgerinnung. Auch früher nie… 

Ich bin jetzt erstmal froh praktisch auf der Zielgeraden zu sein. 
Ich hoffe, ich habe hier niemanden vor der OP abgeschreckt. Ich bin einfach ein absoluter Sonderfall. Ein anderer Zimmernachbar hatte die Mandel-OP schnarchbedingt. Er ging am 2. Tag schon wieder rauchen. Wahrscheinlich blieb er von alledem verschont…

Manchmal kommt es anders als man denkt. Aber das Gute ist, es wird alles wieder heilen!

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