Erst Abszess, dann OP

Ein Erfahrungsbericht von Nancy

Bei mir fing alles Anfang November 2024 mit einer Mandelentzündung an…

Ich bin 40 Jahre alt und hatte die letzte Mandelentzündung als ich noch ein Kind war. Nach einer Woche ohne wesentliche Besserung bin ich zum Hausarzt. Dieser hat mir Antibiotika (Penhexal) verschrieben. Nach einer weiteren Woche waren zwar die Eiterbeläge zum größten Teil verschwunden und die rechte Seite bereits abgeschwollen und schmerzfrei, aber auf der linken Seite hatte ich das Gefühl, dass die Schmerzen beim schlucken immer schlimmer werden – die Schmerzen sind dazu auch extrem ins Ohr ausgestrahlt.
Nachdem ich Dr. Google gefragt habe und mich eine Weile belesen hatte, bin ich vorsichtshalber zum HNO gefahren, da ich die Vermutung auf einen Abszess hatte. Der HNO hat meinen Verdacht leider bestätigt: Peritonsillarabszess rechts. Ich habe dann vom HNO direkt eine Notfalleinweisung ins Krankenhaus bekommen. In der Notaufnahme musste ich zum Glück nicht lange warten – der behandelnde HNO-Arzt dort hat mich nochmal untersucht und stationär aufgenommen. Eine halbe Stunde später saß ich im Behandlungszimmer auf der HNO-Station wo mir der Abszess aufgeschnitten und gespalten wurde. Ich möchte gar nicht weiter ins Detail gehen – es war ziemlich schmerzhaft und unangenehm, ging dafür aber schnell vorbei. Am zweiten Tag wurde die Wunde nochmals gespalten, damit alles richtig abfließen kann. Ich habe Schmerzmittel und Antibiotika (Amoxicillin) bekommen und musste zwei Nächte im Krankenhaus bleiben. Zuhause musste ich die Antibiotika 8 weitere Tage einnehmen. Die Wunde ist sehr gut verheilt. Drei Tage nachdem ich mit der Einnahme der Antibiotika fertig war, bekam ich plötzlich wieder Halsschmerzen, und ich dachte nur, das kann doch nicht wahr sein. Da ich eine Angststörung habe, habe ich mich direkt total verrückt gemacht. Ich bin also am nächsten Tag – das war an einem Freitag – wieder zum HNO-Arzt gefahren. Er fand es auch merkwürdig, was mich gleich noch mehr beunruhigt hat. Er meinte, wir versuchen es übers Wochenende ohne Antibiotika, da ich erst vor kurzem so viele einnehmen musste und wenn es am Montag nicht besser ist, solle ich wieder vorbeikommen. Übers Wochenende wurde es richtig schlimm, die Mandeln waren knallrot, geschwollen und komplett mit Eiter belegt. Am Montag wurde es nach meinem Empfinden etwas besser, also beschloss ich noch bis Dienstag zu warten, da ich laut unserem Stirnfieberthermometer auch kein Fieber hatte. Dienstag früh musste ich zur Toilette, wo ich dann bewusstlos geworden bin. Mein Partner hat mich aufgrund des Knalls zum Glück sofort gefunden und den Notarzt gerufen. Als dieser eintraf waren meine Werte alle normal, bis auf die Temperatur, welche bei 39,6 lag. Laut unserem Thermometer jedoch wieder nur bei 36,1. Mittlerweile ist das Ding im Müll und wir haben ein Ohrenthermometer. Ich habe mich dann zur Sicherheit mit ins Krankenhaus nehmen lassen. Dort wurde eine schwere Infektion festgestellt, mein CRP Wert lag bei 144. Ich wurde also wieder ins Krankenhaus verlegt in dem bereits der Abszess behandelt wurde und wieder stationär aufgenommen. Ich habe wieder Antibiotika (Cefuroxim) bekommen. Da diese jedoch nicht mehr richtig wirkten, sagten mir die Ärzte dass es wohl besser wäre die Mandeln zu entfernen, da sich diese sonst immer wieder entzünden könnten und es für mich als Risikopatient (fehlende Milz) schnell ziemlich gefährlich werden kann. Nach langem überlegen und Rücksprache mit meinem Partner und meinem HNO-Arzt habe ich der OP zugestimmt. 

05.12.2024: Tag der OP
Ich hatte extreme Angst vor der Narkose und der Operation. Es ging dann aber alles schneller als geplant und ich lag auf dem OP-Tisch. Als ich wach wurde ging es mir psychisch richtig gut 😂 ich war noch benebelt und hatte keinerlei Angst mehr. Die Schmerzen waren 7/10; das teilte ich nachdem ich danach gefragt wurde auch der OP-Schwester mit und bekam Schmerzmittel (Novaminsulfon) über die Vene, danach lagen die Schmerzen bei 3/10. Die operierende Ärztin sagte mir, dass während der Operation noch ein Abszess auf der rechten Seite entfernt werden musste. Zurück im Zimmer habe ich eine pürierte Suppe bekommen. Nach 1 bis 2 Stunden konnte ich wieder normal rumlaufen, war aber noch etwas schwach. Der erste Blick in meinen Rachen war ziemlich erschreckend, zwei riesige schwarze Krater. Ich dachte, es sieht aus als wenn ein Meteorit eingeschlagen ist. Da ich vorher sehr viel gelesen habe welche Verhaltensregeln man nach einer Mandel-OP beachten soll, habe ich direkt angefangen literweise Wasser und Tee zu trinken und viel zu kühlen.

An den ersten beiden Tagen habe ich Breikost bekommen, da ich das bereits am zweiten Tag nicht mehr sehen konnte, wurde am dritten Tag auf Vollkost umgestellt. Beim Essen hat es ziemlich weh getan, ich würde sagen 9/10. Die Zeit dazwischen war aber mit dreimal täglich Novaminsulfon über die Vene auszuhalten, es schwankte immer zwischen 4/10 und 5/10. In der ersten Nacht habe ich eine Oxycodon erhalten, welche ich aber nicht brauchte und deshalb zurückgegeben habe. 

Am dritten und vierten Tag habe ich also wieder feste Nahrung zu mir genommen, das hat mit viel kauen und viel Wasser und Tee auch gut geklappt. Die Wundbelege waren mittlerweile ordentlich vorhanden. Am vierten Tag wurde ich entlassen.

Zuhause musste ich dann noch eine Weile Antibiotika nehmen. Für die Schmerzen habe ich Novaminsulfon als Tropfen bekommen. Diese konnte ich jedoch schon nach zwei Tagen zuhause absetzen, da die Schmerzen auszuhalten waren. Beim Essen war es immer noch sehr schmerzhaft – 7/10 bis 8/10. Zwischendurch lagen die Schmerzen bei 3/10 bis 4/10 ohne Schmerzmittel. 

In den folgenden Tagen wurden die Schmerzen etwas anders und für mein Schmerzempfinden schlimmer. Es fühlte sich beim Essen wie ein starkes Brennen an, so dass ich bei den Mahlzeiten sehr viel Zeit brauchte. Es ging aber trotzdem weiterhin ohne Schmerzmittel.

Mit der Zeit wurden die Schmerzen aber immer weniger und die Wunden sind nach zwei Wochen gut verheilt. Nach zwei Wochen habe ich jedoch ein kleines Loch im Gaumen auf der linken Seite entdeckt. Ich hoffe das es noch zuwächst. 

Heute ist der 05.01.2025 – genau einen Monat nach der OP. Das Loch ist noch nicht richtig verschlossen. Meine Zunge ist noch ein wenig taub und mein Geschmackssinn ist ebenfalls noch nicht wieder richtig zurück. Ich merke aber, dass alles ganz langsam und Stück für Stück besser wird. 

Letztendlich kann ich sagen, dass die Schmerzen nicht so schlimm sind wie oft im Internet beschrieben, aber das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. 

Ich wünsche euch allen viel Gesundheit und Durchhaltevermögen.

Liebe Grüße 

Nancy

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