Kühlpacks als Rettung

Ein Erfahrungsbericht von Marina

Ich (w, 23) habe mich entschieden meine Mandeln entfernen zu lassen. Vorab: die Mandeln begannen sich 2021 mehrfach im Jahr zu entzünden, bei kleinsten Auslösern (zu wenig Schlaf, zu viel Sport, psychische Belastung etc.), sodass ich mich im Herbst 2023 schließlich entschied, die Mandeln entfernen zu lassen.
In Hamburg war es besonders schwer, einen Operationstermin zu bekommen. Nach eigener Recherche entschied ich mich für eine längere Wartezeit dafür aber ein geeignetes Krankenhaus, welches mich auch erst nach 4 Nächten entlassen würde, ich wartete über ein halbes Jahr auf den OP-Termin.
Als dieser Termin fest stand, begann die Angst (ich habe generell Angststörungen) vor der Operation. Besonders groß, die Angst vor Nachblutungen.

Tag 0 – 13.05.2024 (die OP):
Ich sollte nüchtern um 7 Uhr im Krankenhaus sein, wartete 2 Stunden dort, bis ich aufgerufen wurde und den weißen OP-Kittel anziehen musste. Für alle meine Piercing-Freunde kann ich empfehlen: entfernt diese vorab, besonders wenn ihr so viele habt. Ihr müsst sämtlichen Schmuck entfernen. Ich bekam schon vor der OP 1 Ibuprofen und 1 Paracetamol gegen Schmerzen. Dann musste ich mich ins Bett legen und wurde zum OP-Wartesaal geschoben. Bis ich den Narkose-Zugang bekam sind min. 45 Minuten vergangen. Ich erinnere mich nur noch, wie mich die Narkoseärztin begrüßte und mir eine Atemmaske aufsetzte, intravenös wurde auch irgendwas eingeführt. Das nächste woran ich mich erinnere, ist dass mein Nachname gerufen wurde und dass es geschafft sei. Dann bin ich im Aufwachraum aufgewacht, es war sehr angenehm, mir ging es gut, aber ich spürte schon leichte Schmerzen. Eine Schwester gab mir direkt Eis. Das war um halb 12. Dann wurde ich in mein Zimmer gebracht und bekam noch mehr Wassereis. Ich bekam zwei Metamizol Tabletten. Am Nachmittag kam dann schon mein Besuch nacheinander, mir ging es gut ich konnte sprechen, mir wurde gesagt ich wirke etwas benommen. Nochmal 40 Tropfen Novalgin, zwischendurch immer Eis, ich durfte auch essen. Dann bekam ich zwei Paracetamol. Der Besuch erschöpfte mich etwas, es war jedoch sehr schön Freunde und Familie um sich zu haben. Abends gegen 23 Uhr gab es nochmal Novalgin-Tropfen. Die Nacht schlief ich wenig, meine Zimmernachbarin hatte Schmerzen und leidete (hörbar) und schnarchte zudem.
Tag 1: Morgens bekam ich wieder 2 Paracetamol. Das Frühstück bestand aus Brot, Käse und ich bekam Kamillentee den ich abkühlen ließ. 40 Tropfen Novalgin, eine Etorixib Tablette, Magenschutztablette und die berüchtigte Oxycodon Tablette nahm ich gegen 11 Uhr. Mein Besuch kam gegen 15 Uhr. Ich war schwach, wir konnten jedoch spazieren gehen und ich wollte Pommes essen. Anschließend gab es wieder 40 Tropfen Novalgin, die Schmerzen waren stark so bekam ich eine weitere Oxycodon Tablette am Nachmittag gegen 16 – 17 Uhr. Diesmal jedoch wurde mir sehr schwindelig und leicht übel und ich bekam eine Infusion dagegen. Diese schwächte mich und ich konnte wenig sprechen mit dem Besuch. Abends bekam ich jedoch noch eine Oxycodon, ohne hätte ich es wohl kaum ausgehalten. Die Nacht verlief schrecklich. Mein Rachen war derart geschwollen, dass ich kaum sprechen konnte. Er schwillte so stark an, dass das Zäpfchen meinen Würgreiz auslöste und ich mich übergeben musste. Ich bekam eine Tablette gegen Übelkeit und klagte über die Schwellung und bekam ein Kühlpack. Das war die Rettung!
Tag 2: Morgens nochmal die Tropfen, anschließend wieder die Kombi Etorixib, Magenschutz und Oxycodon – mir wurde wieder übel und ich bekam eine Infusion. Dieser Tag war der schlimmste. Ich fühlte mich sehr schwach, konnte kaum sprechen. Der Doktor meinte, der dritte Tag sei sehr schlimm. Mit dem Besuch draußen gewesen, die Sonne vermied ich. Ich bekam kein Oxycodon mehr, ich vertrug es schlecht und somit bekam ich 2 Paracetamol, Ibuprofen und Novalgin-Tropfen.
Tag 3: Mit dem Kühlpack konnte ich besser schlafen. Die Nacht war besser. Ich bekam auch an diesem Tag Besuch. An diesem Tag war das essen schon leichter, es war trotzdem alles sehr anstrengend. Eis half. Ich bekam nun Ibuprofen 600 statt Oxycodon, das vertrug ich gut, das linderte natürlich den Schmerz nicht so besonders.
Tag 4: Die Nacht war besser. Die Vorfreude auf die Entlassung half mir auch. Ich sollte nun alle 3 Stunden Ibuprofen 600 und alle 3 Stunden Novalgin-Tropfen nehmen. Der Arzt genehmigte meine Entlassung. Er wies mich auf die Gefahr von Nachblutungen hin. 
Tag 5 – 8: Die Schmerzen waren konstant stark. Es kamen Ohrenschmerzen dazu. Ich konnte nur sehr langsam essen, schlucken und sprechen war sehr schmerzhaft. Besonders schlimm: niesen. Falls ihr also Heuschnupfen habt, empfehle ich euch die OP auf den Herbst oder Winter zu verlegen. In der Nacht von Tag 7 auf 8 bestätigten sich nun meine Ängste. Ich wachte auf mit einem ekligen Gefühl im Rachen und spuckte einen walnussgroßen Blutklumpen heraus. Die Angst war sehr groß und ich weckte meinen Partner. Da jedoch kein frisches Blut in Sicht war legte ich mich hin und merkte eine halbe Stunde später frisches Blut. Es kam viel auf einmal und glücklicherweise Stand eine Tupperdose auf dem Nachttisch. Durch den Geschmack von Blut überkam mich die Übelkeit und wir rannten zur Toilette. Ich übergab mich glücklicherweise nicht, spuckte jedoch noch eine weitere Minute Blut. Mit einem Kühlpack im Nacken hörte es nach kurzer Zeit auf und wir riefen nicht 112. In der Tupperdose befand sich etwa eine Espressotasse Blut. Danach einzuschlafen war schwer, die Angst war wirklich groß.
Am nächsten Morgen fuhren wir zum HNO, dieser sagte, dass wir bei einer weiteren Nachblutung definitiv ins Krankenhaus müssten. Die Belege seien schon weniger
Tag 9 – 12
Seit der Nachblutung jedoch verringerten sich die Schmerzen stark. Ich kam mit 1-2 Ibuprofen 600 am Tag aus. Nachts schlafen war immer noch unangenehm, man wacht immer wieder von Schmerzen auf, das hielt sich jedoch mit Kühlpack in Grenzen. Heute ist Tag 12 und mir geht es viel besser. Essen geht nun auch besser, ein Stechen/Kratzen ist immer noch da was alles verlangsamt aber es ist auszuhalten. Das Risiko für Nachblutungen ist noch immer da, weshalb ich auch die kommende Woche krankgeschrieben wurde. 

Meine Tipps:
– Ihr werdet lange auf einen OP-Termin warten müssen, der Mangel an Betten ist nach wie vor groß
– Wenn möglich, legt den Termin so, dass eure Liebsten auch Zeit für euch haben, mir hat es unglaublich geholfen meinen Partner an meiner Seite zu haben, der einen bekocht, Kühlpacks bringt, einkaufen geht etc.
– Eis rettet und KÜHLPACKS gegen Schwellungen aber auch um den Schmerz zu dämmen, ich habe immer 3 rotierend verwendet
– Im Krankenhaus: Tablet/iPad mit heruntergeladenen Videos (im KH gab es kein kostenloses WLAN), Ohropax, Augemaske (Schwestern machen manchmal Licht, und mein Zimmer hatte keine Gardinen), Nachtwäsche auch kurze Sachen, ich hab stark geschwitzt, Bücher zu lesen war teils sehr anstrengend, Podcasts waren angenehm, Kniffelig oder Kartenspiele wenn Besuch kommt, denn Reden kann anstrengend sein. Kaugummis (Schwester empfiehl sie mir auch).

Im Fazit kann ich sagen, dass ich eine Woche lang Schmerzen hatte, es war schlimm und mich plagte die Angst, dass es nie aufhören würde. Heute an Tag 12 kann ich sagen, mein Gehirn hat die größten negativen Erinnerungen bereits ausgelöscht. Also habt keine Angst, dieser Eingriff wird sehr häufig durchgeführt.

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