Liebes (Schmerz)Tagebuch

Ein Erfahrungsbericht von Lisa

Tag 0:
Am Mittwoch sollte ich mich um 11 Uhr nüchtern in einem großen Uniklinikum einfinden. Ich wartete bis 15 Uhr, bis mir dann gesagt wurde, dass ein Notfall reingekommen sei und meine OP heute nicht mehr stattfinden würde. Nervlich war ich da schon auf dünnem Eis unterwegs. Irgendwie erleichtert ging ich an dem Tag nach Hause und gönnte mir eine 2. „Henkersmahlzeit“ – Döner. 

Der eigentliche Tag 0:
Donnerstagmorgen 22.02.2024 um 08:30 fand ich mich auf der HNO-Station ein und bezog mein Zimmer. Gegen 11 Uhr konnte ich zum Aufwachraum gehen, meinen OP-Dress anziehen und bekam meine gewünschte „Scheiß-Egal-Tablette“ – Dormikum. 15 min. später war mir wirklich alles wurscht. 

Narkose wurde eingeleitet und ich war weg. 

Beim bewussten Aufwachen ca. 1 h später brauchte ich erstmal eine Tüte für den blutigen Speichel. Die Schmerzen waren tatsächlich so, dass ich intravenös Ibuprofen bekam (wtf – das brannte wie Sau). 

In meinem Zimmer angekommen, musste der 1. Toilettengang dank meiner wackligen Giraffenbeine unterstützt werden. Mir wurde ein Capri-Eis in die Hand gedrückt (die Säure störte da nicht).

Da ich gegen Mittag operiert wurde, wurde mir auch kurz danach Kartoffelsuppe (nein, nicht püriert) mit Würstchen vorgesetzt. Das solle ich essen. Joah. 2 h  und 1 Liter Wasser später, nahm ich nach dem Essen meine gestellte Mundspülung und spülte meinen Mund. 

Mit dem Handylicht guckte ich dann auf die frischen Wunden in meinem Hals und holy moly – waren die Krater tief! Wusste nicht, dass im Hals SO viel Platz sein kann. Naja, ich ließ dann den Rest der Mundspülung in diese riesigen Löcher laufen und spuckte alles wieder aus. Diese Routine habe ich bis heute nach jedem Essen beibehalten. Und bisher no (really) bad breath und keine Infektion. 

Um 17 Uhr gab’s dann direkt Abendessen. Toast und Wurst. Und Tee (diese lustigen Mitarbeiter). Alles später mit der richtigen Temperatur runtergeschluckt. Keine Schmerzen. Kühlte durchgehend mit Eiskrawatten. Als Medis bekam ich lediglich 4x 400mg Ibu. Jedoch schwoll nach dem Abendessen meine Zunge und mein Zäpfchen so an, dass ich kaum noch Luft bekam. 1 mal Cortison intravenös war die Lösung. 

Die Nacht war 0,0 erholsam. Aber eher, weil mir der Speichel in den Rachen lief, aus dem Mund lief, ich alles vollgesabbert habe und die neue Umgebung im Krankenhaus störte. 

Tag 1:
Freitag kamen zu meinen 4x 400 Ibus auf Bedarf 1000 mg Paracetamol Saft hinzu. Visite morgens ergab regelgerechte Heilung und Fibrinbeläge. 

Wurde weiterhin 3 Mal täglich mit recht solidem Essen beglückt. Dauerte halt immer 1h lang zu kauen und zu schlucken. Anfangs brauchte jeder Bissen einen Schluck Wasser. Im falschen Winkel kommt das Wasser auch mal zur Nase hoch. Man arrangiert sich. 

An dem Tag war ich 20 min. draußen spazieren. Bin ansonsten sportlich, aber die 20 min. waren anstrengend. 

Die Nacht hab ich mit Ibus und Paracetamol ganz gut überstanden. Eiskrawatten 24/7 waren meine Freunde bis die Schwestern meinten, ich solle meiner Haut mal Ruhe gönnen. Sowieso gab’s enttäuschend wenig Eis. Eiswürfel so viel ich wollte, aber im KH nur 2 mal Capri-Eis. Was nicht mal besonders gut durch die Säure ist. 

Alles in allem waren die Schwestern, Ärzte, Transporteure, Reinigungskräfte aber super lieb, hatten alle ein offenes Ohr und ich fühlte mich gut betüddelt. 

Tag 2:  
Samstag musste ich leider auf Grund von Personalsparmassnahmen die Station auf eine unkomfortablere Station wechseln. 

Die Visite bei einer anderen Ärztin ergab: „Oha, sie haben ja heftige Krater da drinnen“ – half mir nicht. Aber bestätige meine Verwunderung über das Ausmaß des Gemetzels im Hals. 

Medikamente waren mittlerweile 4x 400 mg Ibu und 4x 1000 mg Paracetamol. 

Zum Mittag gab’s Hühnerfrikassee mit richtigen Fleischstückchen. Durch richtiges Kauen zu Brei geht alles runter. Hunger hatte ich trotzdem, da ich durch den bitteren Geschmack im Mund eher Übelkeit vom Essen bekam. 

Spaziergang war auch kurz möglich. 

Eine leichte Blutung hatte ich Nachts und die Schwestern haben diese mit einer Eiskrawatte und Eiswürfeln in den Griff bekommen. 

Tag 3:
Nach der Visite am Morgen konnte ich Sonntag regelgerecht entlassen werden. Der Tag ging gut rum. Ich durfte das erste Mal lauwarm duschen und Haare waschen. 

Man soll ja den Tag nicht vor dem Abend (Nacht) loben: Die war schmerztechnisch so schlimm, dass ich kurz davor war ins KH zu fahren und mir Schmerzmittel aufschreiben zu lassen. Meine Ohren taten weh, der Nacken, der Kiefer. Unvergleichlich. 

Tag 4:
Direkt am Montagmorgen saß ich bei meinem HNO der mich fix und fertig und unter Tränen mit 2 weiteren Schmerzmitteln erlöste. Kann jetzt im Wechsel zur Grundtherapie 4x 1000mg Paracetamol, Ibus oder Voltaren Dispers nehmen und für die Nacht Novalgin. So nehme ich nun alle 3 h eines der 3 bzw. 4 Schmerzmittel ein. Damit habe ich diese im Griff. Sobald ich Eins etwas zu lange heraus zögere, kommt die Klatsche.

Esse eigentlich alles auf das ich Lust habe. Alles langsam zu Brei zerkauen macht auch knusprige Brötchen weich. 

Besser und mehr essen zu können, bringt dem Energielevel wirklich sehr sehr viel. Dadurch fühle ich mich nicht so schwach wie die Tage zuvor.

Tag 5:
Dienstag. Unspektakulär. 3 Mahlzeiten am Tag. Geschwindigkeit des Essens nimmt zu. 

Ca. 30 min. vor dem Essen Schmerzmittel rein – dann geht das gut. Klöße ist mein neuer Favorit. Weich genug und machen den Magen schön voll. 

Medikamente wirken gut, jedoch muss ich auf die 3 h Intervalle echt aufpassen. 

Tag 6:
Sehr unruhige Nacht gehabt, mein Mund öffnete sich ständig, trocknete den Hals aus. Und ich sabbere alles voll. Davon wache ich auf. Keine Idee was ich dagegen machen kann. 

Was mir auffiel: Nach jedem Bissen muss ich ziemlich doll aufstoßen. Sonst musste ich das selten. 

Beim essen gibt es erfreulicherweise mittlerweile Stellen im Mund, auch im hinteren Bereich, die nicht nur „bitter“ erkennen. Essen wird dadurch genussvoller. 

Trinke weiterhin 3 l am Tag. Nach jedem Essen Mundspülung. 


Ich muss sagen, diese Seite hat mir ungemein geholfen, mich im Vorfeld auf die Folgen der OP vorbereiten zu können. Ein großes Lob!

Hätte ich nicht gewusst, dass 6 Tage nach der OP so große Schmerzen üblich sind, dass diese mit 3 h Abstand mit Schmerzmitteln behandelt werden müssen – ich hätte stark gezweifelt und wäre verunsichert gewesen. 

Auch das Wissen, was ich im Falle einer Nachblutung machen müsste, gibt mir Handlungssicherheit. Der Rucksack fürs KH ist gepackt und steht neben der Haustür. Ich bin zwar noch nicht über den Berg aber wollte schon jetzt teilen, was ich erlebt habe. 

Mir hat das hier alles sehr geholfen und viel Glück für alle weiteren Kandidaten ☺️

1 Kommentar zu „Liebes (Schmerz)Tagebuch“

  1. Hallo Lisa,

    ich hoffe, du bist mittlerweile über den Berg!? Mir steht die OP, aufgrund von Schlafapnoe, am 08.04. bevor…und ich habe soooo viel Angst! Der Gedanke an die Narkose und eventuelle Komplikationen rauben mir den Schlaf!
    Wie ist es denn bei dir die letzte 2 Wochen so weiter gegangen?

    LG, Romina

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