Mandel-OP als Angstpatientin

Ein Erfahrungsbericht von Marie

Hey ihr Lieben,

mein Name ist Marie und ich möchte hier gerne von meiner persönlichen Geschichte erzählen. Ich hoffe, dass sie dem ein oder anderen vielleicht etwas hilft oder die Angst nehmen kann. Mir ist es wirklich sehr wichtig, euch davon zu erzählen, weil ich weiß, wie beängstigend das Ganze sein kann!

Erstmal zu mir: Ich bin 17 Jahre alt und hatte seit Sommer 2022 mit regelmäßigen Mandelentzündungen zu tun. Zudem kam bei mir im März 2023 noch Pfeiffersches Drüsenfieber dazu und etwa ab Herbst 2024 Ohreninfektionen, die ich nicht mehr loswurde aufgrund meines angegriffenen Immunsystems. All das hat mich wirklich sehr viel Kraft gekostet und meine Lebensqualität extrem verschlechtert. Weil ich dann in den letzten zwei Jahren wirklich jeden bis jeden zweiten Monat mit einer Mandelentzündung zu kämpfen hatte, die auch nicht mal mehr mit Antibiotika richtig wegging, und sie mich jedes Mal wirklich komplett aus meinem Alltag herausgeholt hat, habe ich mich dazu entschieden, dass die Mandeln endgültig raus müssen.

Für mich persönlich war es absolut keine leichte Entscheidung, und ich habe wirklich zu lange überlegt und gezögert. Ich habe super lange nach anderen Möglichkeiten gesucht, um um diese OP herumzukommen, doch vergeblich. Ich habe mir mehrere Meinungen von Ärzten eingeholt, doch alle waren sich einig: Die Mandeln sind chronisch entzündet und müssen dringend raus! Da ich leider wirklich eine extreme Angstpatientin bin und immer sehr hohe Ansprüche habe, habe ich etliche Termine bei verschiedenen Kliniken gemacht, um die beste für mich zu finden. Das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, aber hat mich im Nachhinein wirklich besser fühlen lassen über die ganze Situation. Da es bei mir im Umkreis nur noch sehr wenige Kliniken gab, die überhaupt eine Tonsillektomie anbieten, habe ich mich dann für eine Klinik in der Nähe entschieden und auch zeitnah einen Termin zur Tonsillektomie bekommen.

Da ich, wie gesagt, eine totale Angstpatientin bin und das auch meine allererste OP war, hat mich die Angst irgendwann überholt und ich habe den Termin dort schlussendlich abgesagt. Es hat sich einfach nicht richtig angefühlt, und ich habe auf mein Bauchgefühl gehört (wenn auch nicht zur Freude meiner Eltern). Im Nachhinein kann ich sagen, dass das die beste Entscheidung für mich war, denn ich habe mich dort einfach nicht richtig wohlgefühlt und wusste, dass das nicht das Krankenhaus für mich ist.

Was mir aber leider auch klar war, ist, dass die Mandeln nicht drin bleiben können. Also hieß es weitersuchen. Nach einem erneuten Termin bei meinem HNO-Arzt und viel Recherche im Internet bekam ich einen Tipp für ein Krankenhaus (was etwas weiter weg war), das vielleicht noch in Frage kommen würde. Nach etlichem überlegen fuhr ich also am 4. November 2024 mit meinem Vater in die offene Sprechstunde. Dort bekam ich natürlich auch nichts Neues zu hören und mir wurde geraten, direkt einen OP-Termin auszumachen, was ich auch tat. Da ich mir einen Termin aussuchen durfte und es mir zeitlich aktuell überhaupt nicht passte (Schule & Prüfungsphase), entschied ich mich fürs neue Jahr und machte den Termin für den 8. Januar fest.

Bis zum Termin verging natürlich noch einige Zeit, und somit auch noch die ein oder andere Mandelentzündung. Mein Körper und mein Immunsystem waren einfach extrem abgeschwächt und es wurde wirklich Zeit, dass die Mandeln rauskommen.

Als dann das neue Jahr kam und die OP immer näher rückte, hatte ich wirklich keine ruhige Minute mehr. Ich machte mir sooo viele Gedanken und Sorgen um alles Mögliche, dass es im Nachhinein sogar etwas albern erscheint. Aber diese Angst, dass etwas schiefgeht und wegen der Nachblutungen, machte mich wirklich fertig. Ich kann euch wirklich sagen, es hilft auf jeden Fall, vorbereitet zu sein, aber ich habe mich nie vorbereitet genug gefühlt, was meine Angst am Ende nur verschlimmert hat. Also, gut gemeinter Tipp: Übertreibt es nicht 🙂

Dann kam der 7. Januar, wo ich frühmorgens zur Voruntersuchung musste. Dort wurde mir dann alles nochmal erklärt, es wurden ein paar Tests wie Blutabnahme, Geschmackstest usw. gemacht (wo ich dann auch umgekippt bin, weil ich so aufgeregt war), und ich konnte meine ganzen Fragen stellen, die ich noch hatte bezüglich der OP etc. Mir wurde dann gesagt, ich sei morgen als Zweite dran und solle um 7:45 Uhr da sein für die OP. Danach konnte ich dann wieder nach Hause. Dort ging es dann aber erst richtig los, denn ich habe mich so verrückt gemacht. Ich konnte wirklich an nichts anderes mehr denken, ständig liefen mir Tränen übers Gesicht und ich spürte nur noch Panik in mir. Gegen 22 Uhr ging ich dann schlafen, was auch nur so semi-gut klappte, bis ich um 4:30 Uhr wieder hellwach war.

Mit einem sehr bedrückten Gefühl ging es dann also ab ins Krankenhaus, wo ich mich auf Station meldete und dann auch nach sehr kurzer Zeit direkt auf mein Zimmer durfte. Dort musste ich mich dann schon umziehen und bekam auch meinen Beruhigungssaft, der mir leider absolut nicht half. Ich kann euch wirklich sagen, ich hatte noch nie so eine Angst wie an diesem Tag und es hat mich wirklich viel Kraft gekostet, um nicht einfach alles abzusagen. Einige Minuten später wurde ich dann abgeholt, um in den OP geschoben zu werden. Mein ganzer Körper zitterte und ich war total nervös, weil ich einfach nicht wusste, was auf mich zukommt. Dieses Gefühl fand ich wirklich schrecklich.

Ich erinnere mich dann noch daran, dass die Anästhesistin versucht hat, mich etwas abzulenken, während mir der Zugang gelegt wurde, und ich dann in die Sauerstoffmaske atmen sollte, während sie mir das Narkosemittel spritzte, welches sich sehr warm angefühlt hat und ungefähr so, als wäre man betrunken. Ich weiß noch, dass es einen Moment gedauert hat, bis ich richtig weg war, weil ich mich so gegen die Narkose gewehrt habe.

Das nächste, was ich dann weiß, ist, dass ich im Aufwachraum war, und ich dann auf mein Zimmer gebracht wurde, wo auch schon meine Eltern warteten. In erster Linie war ich einfach verdammt erleichtert, dass ich es geschafft hatte und endlich alles hinter mir hatte. Zudem spürte ich auch noch keine wirklichen Schmerzen. Ich war noch sehr schlapp und müde von der Narkose, also verbrachte ich die meiste Zeit erstmal mit schlafen. Allerdings kam nach einiger Zeit eine Schwester, die der Meinung war, dass ich unbedingt etwas essen sollte, woraufhin ich dann versuchte, ein Wassereis zu essen, was ich aber auch direkt bereute, weil ich mich direkt übergeben musste, was auf die Narkose zurückzuführen war. Danach ging es mir zwar etwas besser, aber Hunger hatte ich nicht mehr.

Der Arzt kam dann später auch noch und sagte, dass alles gut verlaufen sei, doch dass meine Mandeln sehr vernarbt waren und dies genäht werden musste. Gegen Nachmittag fingen dann auch die Schmerzen richtig an, die dann etwa bei 5/10 lagen.

Während des Krankenhausaufenthaltes bekam ich zunächst 3x Diclac Dispers 50 mg (absolutes Wundermittel für mich persönlich!!) und alle 3 Stunden Novalgin Saft 500 mg. Da die Schmerzen in den nächsten Tagen stärker wurden, wurde dann noch 3x Tilidin/Naloxon 50/4 mg hinzugefügt (welches mir aber gar nicht geholfen hat).

Zu den Schmerzen kann ich sagen, sie waren aushaltbar, aber den einen oder anderen Tag haben sie mich auf jeden Fall an meine Grenzen gebracht. Was mir am meisten Sorgen bereitet hat, waren eigentlich die Nachblutungen, da mir von den Ärzten gesagt wurde, dass bei mir das Risiko dafür sehr hoch sei, da meine Mandeln so extrem vergrößert waren und somit auch die Wundflächen sehr groß sind.

Die ersten drei Tage waren die Schmerzen relativ erträglich mit Schmerzmitteln bei 5/10. Essen bzw. schlucken generell war jedes Mal sehr mühsam und hat auch seine Zeit gedauert, bis es besser wurde, aber da ist es einfach wichtig, sich Zeit zu lassen und nicht aufzugeben.

Was wirklich schlimm war, ist der Heißhunger auf alle möglichen Sachen, die man zu der Zeit nicht essen darf 😉

Tag 4 – 8 waren für mich am schlimmsten. Da waren die Schmerzen trotz Schmerzmitteln am höchsten, bei 8-9/10, wobei der Tag 5, also der Entlassungstag, wirklich am schlimmsten war. Zudem war es bei mir so, dass etwa ab Tag 4 der Schmerz in die Ohren ausgestrahlt hat, was das Ganze auch nicht gerade erleichtert hat. Die Nächte waren auch nicht gerade angenehm, weil die Schmerzen dort am schlimmsten waren, dadurch, dass der Hals über Nacht wieder austrocknete und ich dann von den Schmerzen immer wach wurde.

An Tag 8 gab es dann auch nochmal einen Kontrolltermin im Krankenhaus, wo mir gesagt wurde, dass alles sehr gut aussieht und alles schön abheilt.

Ab Tag 9 habe ich dann wirklich eine extreme Verbesserung gespürt und die Schmerzen lagen nur noch bei etwa 4/10. Was ich auch noch sagen kann zu den Schmerzen, ist, dass sie meist in Wellen kommen, was aber anscheinend völlig normal ist.

Tag 10 – 14: Die Schmerzen sind auf jeden Fall noch da, also es dauert wirklich seine Zeit, bis alles abgeheilt ist, aber sie liegen nur noch bei 3/10 und sind sehr erträglich. Das Essen klappt mittlerweile auch sehr gut, nur was ich relativ anstrengend finde, ist viel reden. Deswegen halte ich mich da meistens noch etwas zurück.

Jetzt bin ich bei Tag 17 angelangt, und ich kann sagen, dass leichte Schmerzen noch da sind, aber sie sind auch ohne Schmerzmittel sehr erträglich und ich kann auch wieder so gut wie alles normal essen!

Rückblickend kann ich sagen, ich bin unglaublich froh, es hinter mir zu haben. Mir ist auch wirklich erst im Nachhinein richtig bewusst geworden, wie sehr mich das Ganze eigentlich belastet hat. Deswegen kann ich wirklich jedem empfehlen, es durchzuziehen, egal, wie viel Angst ihr vielleicht auch habt. Am Ende lohnt es sich wirklich, mutig gewesen zu sein!

Ich möchte das hier auch auf gar keinen Fall kleinreden, es ist mit Risiken verbunden, die man sich auch bewusst sein sollte, und die Schmerzen sind nicht ohne, aber nichts, was nicht machbar ist. Und mir könnt ihr das wirklich glauben, denn ich würde mal behaupten, ich bin relativ sensibel oder schmerzempfindlich, aber auch ich habe es geschafft und könnte jetzt nicht glücklicher sein 😀

Somit ganz viel Kraft an alle, die es noch vor sich haben, und habt etwas Vertrauen in euch selber, ihr schafft das!!!

Am Ende noch ein paar Tipps von mir:

  • Ich habe mich wirklich an alle Regeln etc. sehr streng gehalten und hatte keinerlei Nachblutungen oder sonstiges.
  • Lasst euch nicht von irgendwelchen Leuten reinreden, hört auf euer Bauchgefühl, denn am Ende geht es nur um euch!
  • Achtet wirklich auf die Angaben, was das Essen betrifft, also nichts Säurehaltiges, nichts Scharfes, keine kohlensäurehaltigen Getränke usw.
  • Sehr viel trinken (Wasser, kalter Tee), es hilft wirklich sehr, den Hals nass zu halten.
  • Gönnt euch viel Ruhe, der Körper braucht wirklich mal eine Auszeit, sich von dem ganzen Stress zu erholen, und das ist wirklich eine gute Gelegenheit dafür.
  • Habt Geduld, ich weiß, das lässt sich immer leicht sagen, aber es ist wirklich so!
  • Zähneputzen habe ich am Anfang mit einer weichen Zahnbürste und Kinderzahnpasta gemacht, da normale Zahnpasta am Anfang brennt und die Wunde unnötig reizt.
  • Duscht erst, wenn ihr euch wieder richtig fit und sicher fühlt. Ich habe erst an Tag 14 geduscht, weil ich davor noch zu viel Angst hatte wegen des Nachblutungsrisikos.
  • Jeder ist anders! Eis essen und Kühlen hat mir persönlich sehr wenig gebracht, ich habe in der ganzen Zeit 2x Eis gegessen und 1 – 2 Mal mit einem Kühlpack gekühlt, deswegen macht, was sich für euch am besten anfühlt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Consent Management Platform von Real Cookie Banner