OP 1974 in der DDR

Ein Erfahrungsbericht von Gabriele

Hallo,
eigentlich mehr durch Zufall bin ich auf diese Kommentare gestoßen, die für mich sehr interessant sind. Gehört doch diese OP für mich zu den schlimmsten Erfahrungen, die ich im medizinischen Bereich gemacht habe.
Meine Mandeln waren damals chronisch vereitert und ich hatte sehr oft Entzündungen, die sehr schlimm waren und bin manchmal richtig weggetreten. Die Ärztin meinte damals, die Vereiterungen würden aufs Herz gehen und ich solle dringend zur OP. Weitere Informationen gab es eigentlich nicht, auch nicht im Krankenhaus zum Vorgespräch.
Deshalb war ich relativ unbelastet und hatte auch keine Angst.
Ich wurde 1974 in der DDR operiert und war damals 21 Jahre alt. Erwachsene erhielten keine Narkose, nur eine sogenannte örtliche Betäubung. Ich saß auf einem Stuhl und diese Spritzen wurden durch den geöffneten Mund gegeben. Würgereiz und Schmerzen waren die Begleiterscheinungen. Dann erfolgte die eigentliche OP mit entsprechend langen Instrumenten, auf die ich ein paar Mal vor Schmerzen gebissen habe. Mir liefen die ganze Zeit die Tränen übers Gesicht. Als I-Tüpfelchen musste ich auch noch die Schale halten, auf die der Arzt die ausgeschabten Teile warf…
Danach mussten wir (mehrere Operierte in einem 4 Bett Zimmer) 2 Stunden mit geöffnetem Mund im Bett sitzen, durften nicht schlucken und alles in eine Schale spucken, die wir natürlich selbst halten mussten. Danach gab es 3 Tage nur Kamillentee. Keine Gabe von Schmerzmitteln. Danach Suppen und Kamillentee (da kann ich heute nicht mehr ran).
Entlassung nach einer Woche und dann decken sich die anderen Berichte mit meinen Erfahrungen. Normales Essen war schwierig, Nudeln völlig ungewürzt und viele Suppen. Aber das wurde dann immer besser und ich hatte nach der OP keine Probleme mit Entzündungen mehr; habe seitdem auch kaum noch Erkältungen.
Fazit: Die Entfernung der Mandeln war der richtige Schritt, aber die Prozedur war so schlimm, dass ich auch nach all den Jahren noch jedes Detail in Erinnerung habe!

1 Kommentar zu „OP 1974 in der DDR“

  1. Beim Thema Mandel-OP kommt bei mir immer die Erinnerung daran zurück. Bei uns wurde zu DDR Zeiten diese OP auch bei Kindern ohne Vollnarkose durchgeführt. Ich war, glaube ich, 8 Jahre alt, also kurz vor der Wendezeit. Musste mich, in einem abgedunkelten OP auf den Schoß einer, in meiner Erinnerung sehr fülligen, Frau setzen. Licht wurde auf mich gerichtet und ich bekam eine Gummischürze mit einer kleinen Auffangschale unter meinem Kinn angezogen. Ein Arzt kam, mit einer gefühlt riesigen Spritze und betäubte den Rachen, die entfernten Mandeln wurden in diese kleine Auffangschale unter meinem Kinn gelegt, so, dass ich sie ansehen konnte. Mir wurde gesagt, dass es gleich nochmal piekst. Nur Pieksen war es nicht. Denn es wurde, ohne Betäubung dieser Stelle, irgendwas, ich glaube Polypen, entfernt.
    Nach der OP setzte man mich vor den OP auf eine Bank und ich sollte auf eine Schwester warten, die mich in mein Zimmer bringt. Ich hörte andere Kinder, die vor Angst weinten und entschied mich, weil es mir zu lange dauerte dort zu warten, alleine in mein Zimmer zu gehen. 🤷‍♀
    DDR Kindheitstrauma par excellence. Die Tage nach der OP hatte ich Schmerzen – zum kühlen gab es für die Kinder Eis.

    Bin ich froh, für alle nach diesen Zeiten, dass sowas unter Narkose durchgeführt wird.
    Wer weiß wie viele Kinder, wegen solcher Vorgehensweisen damals, Auffälligkeiten danach zeigten 🙈

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