Ein Erfahrungsbericht von Sophie
Hallo! 🙂
Ich wollte auch euch einmal von meiner Erfahrung berichten. Nachdem ich (25j.) jahrelang mehrmals im Jahr Mandelentzündungen bekommen habe und diese immer von Antibiotikatherapie begleitet worden sind, habe ich mich endlich zur Operation entschieden. Ich hatte eigentlich schon vor 2 Jahren einen OP-Termin, hab diesen aber wegen beruflichen Stress (Medizinstudium/Doktortitel) etc. verschoben. Das war keine gute Entscheidung, ich rate jedem die OP so schnell es geht hinter sich zu bringen und sich nicht weiter zu quälen! Dadurch, dass ich so lange gewartet habe, sind die Mandeln extremst vernarbt gewesen, weswegen die OP auch länger als nötig gedauert hat.
Ich bin aktuell an Tag 13 und fasse hier die letzten Tage zusammen. Mir geht es jetzt schon viel besser und ich bereue die OP nicht!
Tag 0/ OP-Tag:
Ich wurde in Hamburg vormittags operiert. Auf Station habe ich noch eine Tablette gegen Übelkeit bekommen, da ich in der Vergangenheit mit Übelkeit/ Kreislauf auf Propofol reagiert habe. Im OP habe ich dann noch meinen HNO-Arzt gesprochen, dann ging es auch schon ins Schlummerland. Als ich im Aufwachraum erwacht bin hatte ich erstmal keine Schmerzen und habe direkt ein Wassereis in die Hand gedrückt bekommen, das ging auch gut runter. Ich habe allerdings gemerkt, dass ich sehr schwach bin. Mein Arzt ist zu mir gekommen und hat berichtet, dass die OP länger als geplant verlief und ich ca 1l Blut verloren habe. Das lag daran, dass ich so vernarbtes Gewebe hatte, dass er ziemlich tief gehen musste, um alles zu entfernen. Ich wurde übrigens mit der konservativen Methode (scharfer Löffel, mechanisches Unterbinden der Arterien) operiert. Natürlich kann man nicht alles absaugen und da läuft das Blut halt gerne in den Magen. Zurück auf Station hat mein Magen mir das auch mitgeteilt und ich musste leider 2x ziemlich doll erbrechen. Mir ging es danach besser, ich wurde auch direkt von den Schwestern auf Station mit einigen Infusionen versorgt. Ich hatte ziemliche Angst vor dem Erbrechen, aber die Wunden haben nicht angefangen zu bluten. Ich bin dann sehr benebelt eingeschlafen.
1. postop. Tag:
Ich konnte die Nacht schlafen und bin dann morgens mit einem komischen Geschmack aufgewacht. Das lag daran, dass sich bei mir über Nacht der Fibrinbelag gebildet hat. Schmerztechnisch war es auszuhalten, wurde bei mir zum Abend hin schlimmer. Ich hatte zum Glück eine Oxycodon-Schmerzpumpe über meinen Venenkatheter den ich selbst bedienen konnte, das war wirklich hilfreich. Ich habe morgens 2 Toast ohne Rinde mit Honig und Frischkäse und sehr viel Wasser verzehrt. Das hat, wie hier schon viele berichtet haben, sehr lange gedauert und ist mühselig gewesen.
Bei mir ist leider das Zäpfchen sehr ödematös geschwollen, so dass ich nicht richtig sprechen konnte. Deswegen habe ich eine Kortisoninfusion bekommen.
2. postop. Tag:
Die Beläge haben zugenommen, leider aber auch die Schmerzen beim Schlucken. Ich hatte 3x Diclofenac, 4x Novalgin und meine Schmerzpumpe. Der Tag ging mit viel Schlaf und Serien gucken rum.
3. postop. Tag:
Endlich bin ich entlassen worden! Mir ging es mental auf jeden Fall zu Hause viel besser. Schmerzen weiterhin beim Schlucken sehr ausgeprägt. Für zu Hause habe ich dann statt Oxy Tramal 3x tgl. bekommen. Ich habe den ganzen Tag sehr viel geschlafen und für die Mahlzeiten weiterhin lange gebraucht, gepaart mit dollen Schmerzen. Allerdings habe ich mir abends schon etwas Reis mit Champignons und Hähnchen reingezwängt, auch wenn es sehr weh getan hat. Im Nachhinein war dies aber super gut von Anfang an versuchen gleich fester zu essen!
4. postop. Tag:
Die Nacht habe ich wieder durchgeschlafen. Morgens habe ich wieder sehr lange für das Frühstück gebraucht, das tat mir leider wie am Vortag sehr beim Schlucken weh… Wasser hat da dann bei mir geholfen als Spülung. Ich konnte weiterhin kaum sprechen und lag den ganzen Tag auf der Couch und habe geschlafen. Tramal habe ich bis jetzt noch nicht genommen, da haben die anderen Schmerzmittel ausgereicht, trotzdem war ich von den Schmerzen sehr erschöpft.
5. postop. Tag:
Die Schmerzen sind stärker geworden, ich habe jetzt Ohrenschmerzen dazu bekommen, wenn ich länger gekaut und viel geschluckt habe. Da habe ich auch meine erste Tramal genommen, weil es wirklich fies gewesen ist. Zum Glück sind bei mir die Ohrenschmerzen ca. 10 Min. nach dem Schlucken wieder weg gegangen. Essen konnte ich an dem Tag nur kleine Portionen, da es irgendwann zu doll weh getan hat, ich habe mich aber trotzdem 3x tgl. dazu gezwungen.
6. postop Tag:
Die Nacht habe ich überraschenderweise wie immer durchgeschlafen. Mein Zäpfchen war übrigens weiterhin sehr geschwollen, so dass ich kaum sprechen konnte.
Ich hatte an dem Tag einen Kontrolltermin beim HNO, der mir mitteilte, dass er positiv überrascht gewesen ist von meinen Wundbelägen, da er dachte, dass diese viel dicker werden. Daraufhin habe ich ihm erzählt, dass ich versuche so weit eben möglich, alles zu essen und viel zu kauen. Er hat gesagt, dass das enorm viel gebracht hat und er denkt, dass ich keine Nachblutung bekommen werde (Anm.: Er sollte Recht behalten), weil meine Beläge sehr glatt aussahen durch das regelmäßige Essen und Trinken. Den Rest des Tages habe ich wieder mit Netflix verbracht. Morgens konnte ich relativ normal mein Croissant essen. Leider wurde es ab abends wieder schlimmer, die Ohrenschmerzen waren wirklich unangenehm, so wie an Tag 5.
7. postop. Tag:
Die Schmerzen sind um einiges besser, ich konnte die Nacht komplett durchschlafen. Heute ist der erste Morgen an dem ich problemlos frühstücken konnte, natürlich mit viel Wasser. Sprechen war weiterhin schmerzhaft, mein Zäpfchen ist immer noch geschwollen gewesen. Allerdings habe ich gesehen, dass meine Beläge langsam dünner werden! Die Ohrenschmerzen sind zum Abend wieder schlimmer gewesen, aber nicht so schlimm wie die letzten Tage. Ich habe kein Opioid genommen und bin sehr erleichtert gewesen, dass ich endlich einen Fortschritt gemerkt habe. Weiterhin habe ich nur auf dem Sofa gelegen, konnte aber etwas besser essen (Kartoffeln, Fischstäbchen, Spinat, Eier). Habe aber heute kurz einmal geduscht (ohne Haare), das war gar kein Problem.
8. postop. Tag:
Ich wachte auf und merkte, dass die Schmerzen nochmal um einiges besser geworden sind. Frühstücken ging wieder sehr gut und die Beläge sind nochmal dünner geworden. Auch hier habe ich die meiste Zeit gelegen und Serien geguckt. Wie die letzten Tage auch wurden die Schmerzen zum Nachmittag hin wieder beim Essen doller und bei jedem Bissen wurden die Ohrenschmerzen doller. Ich habe dann einfach viele Pausen gemacht und nochmal Schmerzmittel genommen, so dass ich mein Essen dann in 2 h gegessen habe, was aber okay gewesen ist.
9. postop. Tag:
Ich habe nochmal eine deutliche Verbesserung gespürt, hatte morgens kaum noch Beschwerden und konnte wieder normal essen. Habe mich wie am Tag 8 mehr in der Wohnung bewegt, es ging mir einfach besser. Klar taten mir die Ohren abends beim Essen und Trinken wieder etwas weh, das ist aber auszuhalten gewesen! Meine Beläge sind an vielen Stellen schon ganz weg! Ich habe übrigens nie gemerkt, wenn ein Belag abgegangen ist… wahrscheinlich weil ich so kontinuierlich gegessen habe, sind diese einfach jeden Tag dünner geworden. Reden war bei mir immer noch schwierig, da mein Zäpfchen immer noch so angeschwollen gewesen ist.
10. postop. Tag:
Wie jede Nacht habe ich wieder durchgeschlafen und merkte heute wieder eine Verbesserung. Essen ging heute gut, Beläge gehen weiterhin gut ab. Ich habe zwar noch das Gefühl, dass mein Körper sehr schwach ist (-4 Kilo bei 50 Kilo Startgewicht), aber habe heute einen längeren Spaziergang gemacht, der mir sehr gut tat. Danach lag ich weiterhin viel auf der Couch und habe abends eine weiße Pizza gegessen (wegen der sauren Tomaten) und das ging super.
11. postop. Tag:
Die Nacht schlief ich durch und endlich ist auch mein Zäpfchen abgeschwollen, so dass ich viel besser reden konnte. Ich habe normal gegessen und konnte die Schmerzmittel teils reduzieren. Alles lief gut und ich habe heute Haare gewaschen.
12. postop. Tag:
Kaum noch Beschwerden, war heute mit Unterbrechungen ca. 4 h draußen langsam spazieren, das hat alles ganz fein geklappt. Habe tagsüber Nüsse gegessen, Gurke und abends dann Nudeln mit Schinken-Sahne Soße. Mir geht es gut.
13. postop. Tag:
Der 2. Kontrolltermin beim Arzt, er ist sehr zufrieden gewesen und hat gesagt, dass die Beläge zu über 90% ab sind. Ich soll jetzt 3x tgl. gurgeln mit einer speziellen Lösung, das soll meine Wundheilung fördern. Bin heute auch wieder in der Uni gewesen, Auto gefahren und war einkaufen. Man ist zwar noch etwas schwach, aber das ist wirklich kein Problem. Ab Morgen gehe ich meinem normalen Alltag wieder nach und freue mich schon drauf!
Fazit:
Ich bin so froh es getan zu haben! Die Seite hier hat mir mit den Tipps wirklich gut geholfen 🙂 Ich hatte außerdem schon Respekt vor dem Nachblutungsrisiko, zum Glück ist bei mir alles gut gegangen. An den 3 sehr schmerzhaften Tagen habe ich mir immer eingeredet, dass ich dafür nie wieder eine Mandelentzündung haben werde und da jetzt durch muss. Das hat mir psychisch sehr geholfen.
Euch schreibe ich hier noch einige Tipps hin, die mir persönlich sehr geholfen haben 🙂
1. Die Oxycodon-Schmerzpumpe im Krankenhaus: Ihr müsst mal beim Anästhesiegespräch danach fragen. Opiate machen als Nebenwirkung auch gerne mal Übelkeit, weswegen viele hier vorsichtig sind. Durch die geringe Dosierung hatte ich hier aber gar keine Probleme, obwohl ich sehr anfällig für Überlkeit/ Kreislauf etc. bin. Die Schmerzen waren dadurch sehr tolerierbar!
2. Zähneputzen: Einige schreiben hier ja, dass sie teils einige Tage keine Zähne geputzt haben.. das hätte ich mir niemals vorstellen können, da ich den Geschmack gerade die ersten Tage im Krankenhaus so eklig fand. Ich habe 3x tgl. Zähne geputzt mit einer Babyzahnbürste (ab der 2. Woche wieder mit einer normalen) und einer Babyzahncreme von Elmex. Hat wunderbar funktioniert. Außerdem habe ich immer einen Zungenreiniger verwendet.
3. Hygiene: Nehmt auch feuchte Waschlappen für Babys mit ins Krankenhaus. Damit kann man sich nicht nur den Mund schön abwischen, sondern fühlt sich auch frisch. Ich habe ab dem 7. Tag wieder geduscht.
4. Schlaf: Ich hatte nie Probleme mit dem Schlafen, habe immer durchgeschlafen. Ich bin Seitenschläfer und mit ein paar mehr Kissen unter dem Kopf habe ich das auch jede Nacht so durchgezogen. Das tat mir gut, da ich nur in einer bestimmten Position einschlafen kann.
5. Frische Luft/Kälte: Nachts habe ich (aktuell ist Februar) immer mit Fenster auf Kipp geschlafen. Ich lag dann unter 2 Decken und habe nicht gefroren. Die kalte Luft tat meinem Rachen unglaublich gut und ich denke, dass es mir auch deswegen so schnell so gut ging. Tagsüber im Wohnzimmer hatte ich oft die Balkontür komplett auf. Meinem Partner war das viel zu kalt, ich bin normalerweise auch sehr kälteempfindlich, aber während der Heilung brauchte mein Körper das.
6. Essen: Ihr müsst essen essen essen! Auch wenn’s euch am Anfang die Tränen in die Augen treibt, gebt nicht auf. Bereits ab dem 3. Tag habe ich normale Gerichte wieder gegessen, auch wenn es so anstrengend war. Aber nur dadurch gehen die Beläge gut und vor allem gleichmäßig ab und ihr habt keine Nachblutungen. Wenn ihr erst nach einer Woche z.B. Hähnchen/ Hack/ Reis etc. esst, dann ist die Chance viel höher, dass man Nachblutungen bekommt, da der Hals bis dahin nur Brei gewöhnt ist.
7. Trinken: Ich habe pro Tag teils 2 – 3l stilles Wasser getrunken, um die Beläge feucht zu halten. Ich habe einfach alle 5 Min. einen kleinen Schluck genommen (außer nachts).
8. Ängste: Guckt euch zur Beruhigung ein paar mal am Tag in den Hals und gerade auch nachdem ihr gegessen habt, um eventuelle Nahrungsreste wegzuschlucken. Ich habe jeden Mittag ein Foto gemacht und zu sehen, dass der Heilungsprozess schneller eintritt als man denkt. Das hat mir Hoffnungen gemacht. Auch ich hatte große Angst vor Nachblutungen, aber dadurch, dass ich so regelmäßig gegessen habe, sind die Beläge ganz gleichmäßig dünner geworden.
9. Ablenkung: Nach fast 2 Wochen auf dem Sofa kann ich sagen, dass ich jetzt alle Dokus von Netflix etc. kenne, was mich aber wunderbar von den Schmerzen und allen abgelenkt hat. Gelesen habe ich nicht (war mir zu anstrengend).
10. Bezugsperson: Hätte ich meinen Freund die 2 Wochen nicht gehabt, weiß ich nicht wie ich das geschafft hätte. Ihr müsst euch wirklich jemanden suchen, der einkauft, kocht, eure Sachen von A nach B trägt und in der Nähe ist, wenn ihr z.B. das erste Mal duschen geht. Wenn er mal in der Praxis war, hatte ich immer Besuch von jemanden, der einfach mit mir ferngesehen hat. Dadurch habe ich mich sehr sicher gefühlt.
Sooooo, ich hoffe, ich konnte euch mit meiner Erfahrung helfen. Gerade die ersten Tage ist man sehr mies gestimmt, denkt es bleibt ewig so schlimm mit den Schmerzen und denkt es wird nicht besser. Suprise… es wird besser und zwar viel schneller als ihr das denkt!!!
Wenn eine OP bei euch in Frage kommt, macht direkt einen Termin und schiebt es nicht lange auf die Bank. Es wird dadurch nicht besser, die Mandeln vernarben noch mehr, so dass die Operation unangenehmer wird.
Ihr schafft das!