Ein Erfahrungsbericht von Sophia
Meine lieben mandelgeplagten Mitmenschen,
ich habe mir vor 14 Tagen die Mandeln entfernen lassen, da ich keinen anderen Ausweg mehr gesehen habe & von etlichen Antibiosen, Schulmedizin bis Homöopathie & Heilpraktiker wirklich ALLES ausprobiert habe. Ich hatte echt die Schnauze voll. Nun würde ich euch gern teilhaben lassen, wie das alles bei mir abgelaufen ist.
Ich hatte mein ganzes Leben lang (bin 29) nie Probleme mit den Mandeln, bis es Januar 2024 plötzlich angefangen hat. Da hatte ich die erste eitrige Mandelentzündung seit Jahrzehnten. Diese wurde mit Amoxiclav behandelt & kam Anfang März im Skiurlaub wieder. Insgesamt hatte ich damit bis Ende März/Anfang April zutun, bis es nochmal richtig doll ausgebrochen ist. Dann habe ich vom Arzt 10 Tage Penicillin bekommen & hatte ab dem Zeitpunkt anderthalb Jahre komplett Ruhe. Bis zu diesem Jahr, Ende August.
Nach einer emotional & körperlichen stressigen Zeit kündigte sich eine Angina an. Da die Halsschmerzen immer stärker wurden, leuchtete ich mir auf der Arbeit in den Rachen & sah im Spiegel sofort die Eiterstippchen. Och ne, das kenne ich doch.
Na gut, lässt sich nichts machen, ab zum Arzt. Der entließ mich relativ schnell mit Amoxiclav & ner Krankschreibung. Ein paar Stunden später bekam ich auch heftig Fieber mit Schüttelfrost & nem sehr schlechten Allgemeinzustand.
Lange Rede, kurzer Sinn – ich habe insgesamt 2x Amoxiclav, 1x Clindamycin & 1x Cefpodoxim (hatte zwischendurch gleichzeitig ne Mandel-und Nierenbeckenentzündung. Hallelujah) innerhalb von 3 Monaten bekommen. Die Eiterstippchen kamen trotzdem wieder, ich bin fast verrückt geworden. Also auf zum Heilpraktiker, dort habe ich mir die Mandeln rund 4 – 5x „rödern“ lassen, ohne nennenswerten Erfolg. Ich hatte schon das Gefühl, dass meine Mandeln chronisch vereitert sind. Als es Mitte November wieder besonders schlimm war, habe ich endlich die Überweisung zur Mandelentfernung bekommen & auch super schnell einen Operationstermin (rund anderthalb Wochen später). Ich habe mich gefreut, da ich dieses Kapitel bis Weihnachten schließen wollte.
Am Do, dem 27.11. habe ich mich also auf die Socken gemacht, bin ins Krankenhaus & war etwas aufgeregt. Meine erste OP & gleich noch so eine schmerzhafte. Netterweise haben meine HNOs mich vorgewarnt, dass die Schmerzen mitunter sehr stark sind & das kein Zuckerschlecken wird. Nun gut, dachte ich mir, da muss ich wohl durch.
Die Narkose fand ich total schön, bei der Einleitung hat alles gekribbelt & ich habe mich noch nie so leicht & unbeschwert gefühlt. Beim Aufwachen hatte ich leichte Schmerzen & mir wurde direkt was in den Zugang gespritzt, noch im Aufwachraum, danach war alles tutti. Ich war gut drauf & total benebelt, habe mit dem Pfleger dort sogar noch Späßchen gemacht.
Als ich wieder auf meinem Zimmer war ging es mir auch erstmal gut.
Nachdem mein HNO & die Anästhesistin da waren, um zu sagen, dass alles gut verlaufen ist, fing leider die Übelkeit an. Ich habe 2x ziemlich große Mengen erbrochen & das kam wohl von dem Blut, was ich in der OP geschluckt habe. Als alles draußen war ging’s mir wieder gut.
Die ersten 2 Tage waren sowieso ein Klacks, ich hab zwar brav meine Schmerzmittel genommen & nachts hatte ich die meisten Probleme mit Schmerzen aber im großen & ganzen fand ich die ersten Tage schmerztechnisch völlig ok.
Meine Schmerzmedikation an Tag 1 – 3:
1x Pantoprazol morgens,
3x Diclofenac, 3x Novalgintropfen & ab & zu Kortisontabletten, weil alles doch ziemlich geschwollen war.
Bin die ersten Tage sogar spazieren gegangen & habe schon ordentlich gegessen, obwohl ich mir immer heimlich was holen musste, weil die mir im Krankenhaus nur Pudding 🤢 oder Wassereis gegeben haben.
Am 29.11., also am 3. Tag, wurde ich entlassen, mit dem Hinweis von meinem HNO, dass die Schmerzen ab jetzt zunehmen werden. Einen Tag später waren die Schmerzen bereits sehr stark & ich hatte direkt einen Kontrolltermin am Mo, dem 01.11. Laut HNO soweit alles gut, dicke Wundbeläge & die Schmerzspitze wird wohl morgen oder übermorgen sein.
Was zur Hölle, dachte ich mir, das soll noch mehr weh tun?! Der Arzt fragte, ob ich noch mehr Schmerzmittel bräuchte, was ich mit einem hoffnungsvollen nicken bestätigte. Er verschrieb mir 1000mg Paracetamol als Zäpfchen & Tramadol als Tropfen noch zusätzlich.
Meine Schmerzmedikation sah von Tag 4 – 6 so aus, dass ich wirklich alle 2 – 3 Stunden Novalgin, Ibu 600/ 800er, 1000er Zäpfchen Paracetamol & Tramadol im Wechsel zu mir nahm. Die Novalgintropfen haben mir nach wie vor am besten geholfen. Das Tramadol nahm ich nur zum Schlafen, weil mir davon etwas schummerig wurde. 😅
Ich will nicht lügen, die Schmerzen waren für mich schwer zu ertragen, obwohl ich nicht so empfindlich bin. Trotz Schmerzmittel waren sie sehr präsent, vor allem nachts, ich habe sehr wenig geschlafen & viel geweint. Es waren tatsächlich die schlimmsten Schmerzen, die ich jemals hatte.
Essen ging in der Zeit sehr schwer, ich war froh, wenn ich am Tag ein Toast geschafft habe. Sonst bin ich auf Trinknahrung, Suppe & Eis umgestiegen.
Am 6ten Tag musste ich stark niesen & hatte eine kleine Nachblutung.
Eis in den Mund, in den Nacken & warten. Es hörte nicht wirklich auf, also fuhr ich selbst ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort wurde ich sehr schnell rangenommen & die Stelle wurde direkt vor Ort verödet. Ich sollte zur Beobachtung noch 24 Std. dort bleiben, zum Glück hatte ich mir einen kleinen Notfallrucksack gepackt.
Ich war leider auch noch stark erkältet, was das ganze noch unangenehmer machte, da ich viel husten musste & meine Nase permanent dicht war.
Im Krankenhaus ging es mir eigentlich ganz gut, weil ich Schmerzmittel nach Bedarf bekam & nachts sogar intravenös Novalgin & Clindamycin, da meine Wundbeläge wohl auch leicht entzündet waren.
Ab Tag 7 durfte ich abends nach Hause & die Schmerzen wurden etwas besser. Das Clindamycin sollte ich noch weiter oral einnehmen. Ich schlief bei meiner Mama, damit ich nicht allein war, im Fall einer weiteren Nachblutung. Dort ging es mir sehr gut, ich hab seit langem mal wieder durchgeschlafen & essen ging ab Tag 8 jeden Tag etwas besser, auch wenn es noch schmerzte.
Nun an Tag 14 kann ich definitiv sagen, dass ich das Schlimmste überstanden habe. Der Rachen schmerzt noch leicht & seit heute zieht es ganz leicht ins Ohr aber mit dem Tagen 4 – 6 absolut nicht zu vergleichen. Schmerzmittel nehm ich nur noch 1x tgl., wenn überhaupt.
Am 12ten Tag war meine letzte Nachkontrolle & mein HNO meinte, dass soweit alles gut aussieht, aber es wahrscheinlich noch 1 Woche braucht, um komplett zu verheilen. Ab Montag geh ich auch wieder arbeiten & hoffe bis dahin bin ich vielleicht komplett schmerzfrei.
Hier noch ein paar Tipps, die mir persönlich geholfen haben:
– Viel, viel, viel trinken! Kalten Salbei- oder Kamillentee, am besten Bio. Wasser ist zwischendurch auch gut, Hauptsache die Wundbeläge bleiben feucht, sonst schmerzt es noch mehr. Ich habe täglich zwischen ca. 3 – 4 Liter getrunken.
– Eiskragen, gerade in den Tagen 1 – 7. Hat mir sehr geholfen.
– Wassereis, am besten ohne Fruchtsäure. Sonst pure Eiswürfel.
– Ingwer- und Zinkkapseln! Sollen die Wundheilung fördern. Hat bei mir ganz gut geklappt.
– Lutschtabletten mit Salbei, Isländisch Moos, Panthenol etc. oder auch Kaugummis, damit der Speichelfluss & die Wundheilung angeregt wird.
– Leichtes Abführmittel, Rizinusöl oder Zäpfchen, falls ihr durch die Schmerzmittel in den ersten Tagen auch Probleme beim Stuhlgang habt. Man darf nicht zu fest drücken, also muss man manchmal nachhelfen.
– Und vergesst nie das Pantoprazol morgens! Ein Magenschutz ist bei der Menge an Schmerzmitteln enorm wichtig.
– Versucht so gut es geht zu essen!
An manchen Tagen ist es fast unerträglich, aber ihr wisst ja: die Wundbeläge müssen weg! Auch wenn es nur ein Toast am Tag ist, versucht es, so gut es geht. Ansonsten reizarme Ernährung, gut kauen & viel Geduld. ❤️
Zwischendurch Suppe, abwarten & Tee trinken, wenn nichts anderes mehr geht.
Ich drücke euch die Daumen & wünsche euch alles Gute für eure Mandelentfernung, ihr schafft das.
Es sind zwar zwei blöde Wochen aber man bekommt die Zeit auf jeden Fall rum.
LG, Sophia