Ein Erfahrungsbericht von Helen
Liebe Leser und Leserinnen,
mein Name ist Helen und möchte hier meine Erfahrung mit euch teilen. Mir ist es ein tiefes Bedürfnis, zum einen, um euch die Angst zu nehmen und zum anderen, um die letzten turbulenten Monate zu verarbeiten. Ich entschuldige mich also schon vorab, wenn ich ausschweife.
Teil 1 – Antibiotika, mein treuer Begleiter:
Mittlerweile bin ich 23 Jahre jung, hatte bereits in meiner Pubertät schon die ein oder andere Mandelentzündung, die jedoch meist mit Antibiotika oder gängigen Schmerzmitteln behandelt wurde und problemlos heilte. Meine rechte Mandel war schon immer vergrößert, jedoch meinten die Ärzte damals, es sei noch keine OP nötig. Die letzten 3 – 4 Jahre war ich, bis auf kleinere Erkältungen mit Halsschmerzen oder Heiserkeit, beschwerdefrei.
Ende August/Anfang September 2024 bekam ich Halsschmerzen und bemerkte ziemlich schnell, dass sich diese in eine akute Tonsillitis entwickelten. Ich begab mich zu meiner Hausärztin, wo mir sofort Amoxicilin (Antibiotika Nr.1) verschrieben wurde. Mein erstes Horrorszenario, denn ich konnte bis dato keine größeren Tabletten schlucken – jetzt schon. Denn: Nach der 10-tägigen Einnahme ging es mir zwar relativ schnell wieder gut, keine 48 h später, bemerkte ich aber wieder ein unangenehmes Gefühl in meinem Hals und fühlte mich extrem geschwächt. Ich fuhr erneut zu meiner Hausärztin – diese machte einen Rachenabstrich und nahm mir Blut ab. Der Abstrich, sowie alle nachfolgenden Abstriche waren ohne Erfolg. Man vermutete, dass die Bakterien, die sich eigentlich zeigen sollten, durch die Antibiotikagabe im Voraus, schon zu sehr gedrosselt wurden und deshalb im Labor nie etwas gewachsen ist. Zur Erklärung: Meine Hausärztin wollte vorerst wissen, um welche Keime es sich handelt, bis sie entscheidet wie die Weiterbehandlung aussieht. Schon am nächsten Morgen feuerte mein Hals, die Mandeln waren Tennisball groß, mit Eiter belegt. Mein Weg führte mich erneut zur Ärztin, wo ich Clindasol verschrieben bekam (Antibiotika Nr.2). Ich war zu der Zeit natürlich nicht arbeiten, sondern hütete die Couch. Mir ging es körperlich sehr schlecht, ich musste regelmäßig zur Blutentnahme, mein Entzündungswert lag zeitweise bei 130. Kurz bevor ich dieses Antibiotikum vollständig eingenommen hatte, bat mich meine Ärztin es nochmal umzustellen, da meine Blutwerte wieder schlechter aussahen – ich hörte natürlich auf sie und holte mir Amoxiclav (Antibiotika Nr. 3) in der Apotheke – ich war nun bei 1000 mg angelangt. Nach 2 Tagen Einnahme, machte sich ein Ausschlag auf meinem gesamten Körper breit. Ich ging ins Krankenhaus, da es ein Samstag war, wo es hieß: allergische Reaktion, Penicillinunverträglichkeit und mir dringend geraten wurde, das Antibiotikum abzusetzen. Dies tat ich dann auch und mein Zustand besserte sich, ebenso meine Blutwerte. Ich ging wieder arbeiten, versuchte meinem Alltag nachzugehen, um das zumindest etwas Normalität einkehrt. So eine Antibiotikaeinnahme bringt natürlich auch viele Nachteile mit sich: Nicht nur die Körperlichen allgemein, sondern auch der Verzicht auf sämtliche Milchprodukte, Vermeidung von Sonne, keine sportliche Betätigung, gestörte Darmflora, usw. … Da ich ein unwahrscheinlich verkopfter und sensibler Mensch bin, ließ mich der Gedanke aber nicht los: Wann kommt der ganze Mist wieder? Ich horchte unglaublich in meinen Körper hinein, achtete gefühlt bei jedem Schlucken auf mögliche Schmerzen, schaute mir jeden Tag mind. 3x in den Hals, ob sich mögliche Veränderungen sichtbar machen. Es machte mich und auch mein Umfeld einfach krank. Keine 3 Wochen später bewahrheiteten sich meine Ängste, dieses Mal führte mich mein Weg jedoch zum HNO-Arzt, da ich nun die Meinung eines Spezialisten haben wollte. Zu dem Zeitpunkt war jedoch alles nur entzündet, noch kein Eiter zu sehen. Er sagte mir deshalb lediglich, dass meine Mandeln furchtbar aussehen, zerklüftet und viel zu groß sind. Er wollte mich aber erst im akuten Zustand sehen und dann über eine mögliche OP entscheiden. Über das Wochenende verschlimmerte sich alles und ich stellte mich erneut im Krankenhaus vor. Dort bekam ich Doxycyclin (Antibiotika Nr.4). Dieses nahm ich nun fast 20 Tage ein, um auch den gemeinsamen Italien Urlaub mit meinem Freund symptomfrei zu überstehen. Es fühlte sich mittlerweile wie eine Droge an, die mich auf den Beinen hält. Antibiotika abgesetzt, folgte eine Woche, in der ich beschwerdefrei war, die Abstände bis zur nächsten Infektion wurden also immer kürzer. Mein nächster Besuch beim HNO-Arzt war vorerst der letzte, denn er schickte mich zwar mit Cefuroxim (Antibiotika Nr.5) nach Hause, aber auch mit einem Einweisungsschein ins Krankenhaus – die Mandeln müssen raus! Leider musste ich das Antibiotikum nochmal umstellen, da mir das verschriebene tüchtig auf den Magen schlug, also nahm ich ein letztes Mal Doxycyclin für 10 Tage. Ich musste das alles erstmal realisieren, da ich irgendwo wusste, ich komme um eine OP nicht drum herum, aber wir hatten mittlerweile Ende November und die Weihnachtszeit stand bevor, ich dachte also, ich bleibe wenigstens bis zum neuen Jahr verschont. Dem war leider nicht so.
Teil 2 – ein Ende ist in Sicht:
Mir war sofort klar, dass ich mich bei meinem HNO-Arzt persönlich operieren lasse. Zuhause angekommen, setzte ich mich also sofort mit dem Krankenhaus in Verbindung und verwies auf die Dringlichkeit meiner OP, so wie es mir auch der Arzt selbst gesagt hatte. Die Woche darauf hatte ich auch schon alle notwendigen Unterlagen im Briefkasten. 2 Wochen später, am 19.11.2024 hatte ich meine Voruntersuchungen mit HNO, Konsil, Anästhesie-Gespräch und allem, was dazugehört und am 22.11.2024 wurde ich operiert. Tatsächlich hatte ich am meisten Angst vor der Vollnarkose, da es meine erste war. Im Nachgang war das wirklich das geringste Übel. Es umsorgten mich alle ganz lieb und tatsächlich hatte ich auch das Glück, ein Einzelzimmer zu haben.
Am Tag der OP hatte ich kaum Schmerzen, ich bekam Elektrolyte und Paracetamol als Infusion über den Zugang. Trinken, war das Einzige, was ich durfte und auch möglich war. Mein Kreislauf war stabil, dennoch sollte man diesen Eingriff nicht unterschätzen, denn gerade morgens war mein Puls ziemlich erhöht und ich merkte, wie mich alles anstrengte. Zudem wurde während der OP meine Zunge etwas verletzt, wodurch diese leicht taub war, dies hielt ca. 2 Wochen an und das Sprechen, welches zu Beginn eh schwerfällt, gestaltete sich dadurch noch schwieriger.
Tag 2-4 waren mit Schmerzmittel erträglich, meine Bedarfsmedikation (Diclac dispers 50 mg zum auflösen) bewirkte Wunder – dieses Medikament kann ich auch für die kommenden Tage schon mal vorab sehr empfehlen. Was mich tatsächlich am meisten genervt hat war, dass ich nicht richtig essen konnte und vor allem nicht das, worauf ich total Appetit hatte, fast schon Heißhunger. Die Kost wird dann Tag für Tag gesteigert, beginnt mit vielen Suppen, über breiige Nahrung bis hin zu etwas Festerem.
Am 5. post-OP-Tag wurde ich entlassen, meine Wunden sahen total gut aus und die Ärzte waren sehr zufrieden. An diesem Abend hatte ich dann auch die erste ,,Schmerzattacke“ – es schlich sich immer langsam an und plötzlich wurden die Schmerzen so stark, dass sie auch in die Ohren ausstrahlten. In den Momenten halfen mir wirklich nur die oben genannten Tabletten, da die Linderung innerhalb von 5 Minuten eintrat. Diese Schmerzattacken hatte ich bis Tag 7, meist abends und nachts. Es besserte sich aber. An Tag 8 war mein Kontrolltermin beim HNO-Arzt, auch dieser war begeistert, wie gut meine Wundheilung war, denn der Wundschorf war schon nahezu weg (normalerweise fängt dieser sich ab da erst an zu lösen).
Ab Tag 10 geht es bergauf, ich habe insgesamt viel getrunken (Kamillentee, Wasser mit Geschmack – vorerst kein Sprudel), kühlte viel und ruhte mich aus, was wirklich wichtig ist. Das Essen frustrierte mich noch einige Tage, bis es zunehmend besser wurde. Zum Thema Essen, befolgte ich die Tipps dieser Seite. Essen ist ebenfalls wichtig für die Wundheilung, seid also vorsichtig beim Essen und mit dem, was ihr auswählt, aber gebt nicht auf!
Heute ist Tag 19, meine OP ist übermorgen 3 Wochen her. Bei der heutigen HNO-Kontrolle war der Arzt mehr als zufrieden. Mein großes Glück war ebenfalls, dass ich in der gesamten Zeit keine Nachblutung hatte. Zum Mittag gab es heute ganze Kartoffeln, Kassler und mildes Sauerkraut – wirklich ein Segen, nach der ganzen Zeit!
Rückblickend möchte ich zusammenfassen…
Ich bin mehr als froh, diese OP gemacht zu haben, denn alles davor, war keine schöne Lebensqualität mehr. Überlegt euch die OP gut, denn nur wenn bestimmte Indikationen gegeben sind, sollte man diese auch durchführen lassen. Es gibt schöneres, aber auch wesentlich schlimmeres. Die ersten Tage sind unangenehm und frustrierend, aber Geduld zahlt sich aus. Ich bin stolz auf meinen Körper und bin ihm dankbar, dass er mich in dieser ganzen Zeit nicht im Stich gelassen hat. Ich würde sagen, so eine Zeit, kann das eigene Körpergefühl nochmal um einiges verbessern. Achtet auf den Rat der Ärzte aber auch auf euer Bauchgefühl. Solltet ihr auch solch eine Antibiotikavorgeschichte haben, rate ich euch danach für mind. ein halbes Jahr gute Darmbakterien einzunehmen. Jeder ist anders, wir alle denken unterschiedlich, haben verschiedene Instinkte und Körper. Lasst euch also nicht verunsichern. Nun blicke ich zuversichtlich in die Zukunft und hoffe gesund zu bleiben und euch natürlich mit diesem positiven Erfahrungsbericht geholfen zu haben.
Liebe Grüße
Helen