Wunderwaffe Coblation

Ein Erfahrungsbericht von Nia

Erst einmal vor ab: Vielen Dank für die großartige Seite! Sie hat mir bei der Vorbereitung auf die OP sehr geholfen.

Zu mir: Ich bin 25 und habe seit ca. 2018 immer wieder mit Mandelentzündungen zu kämpfen, so dass sie irgendwann chronisch wurde und meine Mandeln dauerhaft stark geschwollen waren. In den letzten zwei Jahren stand es immer wieder im Raum, dass sie entfernt werden müssen, aber ich bin glücklicherweise immer wieder drum herumgekommen. Bis es im Dezember 2023 hieß „nun müssen sie aber wirklich raus“, da die Mandeln immer größer wurden, ich ständig krank war und ich auch psychisch sehr darunter litt.

Zufälligerweise bin bei den Recherchen hier auf der Seite durch einen Erfahrungsbericht auf die Coblation Methode aufmerksam geworden. Sie ist bekannt durch die schonendere Vorgehensweise und dem minimierten Nachblutungsrisiko. Leider bieten das nicht alle Krankenhäuser bzw. HNO-Ärzte an, aber in einigen Städten gibt es Spezialisten-Teams, die dies machen. Falls euch die Methode interessiert, kann ich euch wirklich raten diese als Alternative in Betracht zu ziehen und nach einem/einer Ärzt*in in eurer Nähe zu suchen. 

Vor der OP habe ich jeden Tag Ingwer-Kapseln genommen, da ich gelesen habe, dass mehrere Studien zu dem Ergebnis gekommen sind, dass diese die Wundheilung unterstützen sollen. Nach erneutem Lesen der Erfahrungsberichte, während meines wirklichen Heilungsprozesses, ist mir jedoch aufgefallen, dass man dies wohl nach der OP hätte machen sollen. Naja, geschadet hat es mir nicht, wenn man es richtig machen will, sollte man sie aber wohl nach der OP zu sich nehmen 🙂

Die Tage vor der OP war ich sehr nervös. Die OP hat mich schon die letzten Jahre immer wieder verfolgt und mir Angst bereitet. Die Tage vorher waren demnach sehr aufreibend und ich hätte die OP am liebsten abgesagt. Ich war mir aber sicher, dass ich die OP machen muss, einfach um nicht ständig krank zu sein und auch wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen. 

Tag 0: OP Tag

Am Tag der OP musste ich um 8 Uhr in Klinikum sein. Nach einer kurzen Wartezeit wurde ich für die OP vorbereitet, ich habe etwas zur Beruhigung bekommen und dann ging es um ca. 11 Uhr los. Von der OP an sich habe ich nichts mitbekommen. Gegen 13 Uhr bin ich im Aufwachraum wach geworden. Ich hatte leichte Schluckbeschwerden und meine Zunge hat sich leicht geschwollen angefühlt. Ich habe von einer Pflegerin ein Wassereis und Wasser bekommen. Kurz darauf wurde ich auf meine Station gebracht, wo ich direkt kalten Kamillentee, Wassereis und eine Kühlkrawatte bekommen habe. Essen und trinken ging an dem Tag gut. 

Schmerzen: 1/10 – waren eigentlich nur Schluckbeschwerden. 

Medikation (über die gesamte Zeit)

Um meinen Magen zu schonen, habe ich jeden Morgen Panthoprazol genommen. An Schmerztabletten habe ich dreimal täglich Ibu 600er und Novalgin Tropfen bekommen. Falls die Schmerzen trotz dieser Schmerzmittel weiterhin stark waren, hatte ich noch die Möglichkeit Gelonida (Paracetamol mit Codein) zu nehmen. Zusätzlich (für drei Tage) am Abend habe ich noch ein Antibiotikum genommen. Ab dem dritten Tag habe ich dreimal täglich mit Tantum Verde gegurgelt. Das wirkt antibakteriell und betäubt den Schmerz. 

Tag 1 & 2: 

Die erste Nacht konnte ich nicht allzu gut schlafen und immer nur phasenweise. Das lag aber eher an der neuen Umgebung. Die Schmerzen waren ähnlich zum Vortag. Essen und Trinken tagsüber ging zwar eher langsam, aber trotzdem gut. Ich durfte zudem vorsichtig Zähne putzen und mich auch waschen. Nur duschen sollte man sich im Krankenhaus nicht. Schmerzen: 1/10 – weiterhin eigentlich nur Schluckbeschwerden.

Tag 3 & 4: 

Die Schmerzen nahmen in der dritten Nacht zu und zogen sehr in die Ohren, weshalb ich noch Gelonida bekommen habe. Tagsüber war es in Ordnung, aber gegen Abend und vor allem nachts wurden die Schmerzen immer etwas stärker. Die Medikamente haben mir zudem etwas auf den Magen geschlagen, weshalb ich neben der Panthoprazol bei Übelkeit noch eine Vomex genommen habe. Zusätzlich habe ich noch einen Schnupfen bekommen, der die Situation nicht wirklich verbessert hat. Trotzdem waren die Schmerzen aber aushaltbar und auch essen und trinken konnte ich. Am Abend von Tag 4 habe ich außerdem leichte Blutungen bekommen. Allerdings hat man im Mund kein Blut gesehen, sondern nur wenn man Speichel ausgespuckt hat. War aber nicht wirklich dramatisch, sondern normal und ein Zeichen dafür, dass sich die Beläge lösen. Schmerzen: 4-5/10. 

Ab Tag 5:

Am fünften Tag wurde ich entlassen und durfte endlich nach Hause. Im Krankenhaus ging es mir ganz gut, ich hatte aber etwas Angst davor zu Hause zu sein. Falls es doch zu einer Nachblutung kommen sollte, wäre man im Krankenhaus natürlich deutlich besser aufgehoben. Zusätzlich hatte ich auch sehr Respekt vor den kommenden Tagen, da ich häufig gehört habe, dass die Schmerzen ab dem 7. Tag nochmal schlimmer werden können. 

Glücklicherweise war das bei mir aber nicht der Fall. Gegen Abend waren die Schmerzen, die ersten Tage zwar immer etwas stärker, aber im Großen und Ganzen wirklich aushaltbar und nicht vergleichbar mit der ein oder anderen Mandelentzündung. Ich habe leider zusätzlich eine Blasenentzündung bekommen und die war deutlich schmerzhafter als die post-OP Schmerzen. An Tag 9 hatte ich meine Nachkontrolle bei meinen HNO-Arzt (er hat mich nicht operiert) und dieser war erstaunt wie gut es mir doch ging und was für einen fitten Eindruck ich mache. Andere hätten wohl deutlich mehr mit Schmerzen und Problemen zu sprechen zu kämpfen. 

Ab Tag 10 habe ich keine Schmerzmittel mehr genommen und die Fibrin-Beläge haben sich auch schon sehr gut gelöst. Ich habe mich zudem getraut meine Haare wieder zu waschen und das ging glücklicherweise auch ohne Probleme. Wenn ich Schmerzen hatte, dann waren es nur leicht stärkere Schluckbeschwerden, aber die Ohrenschmerzen waren zum Glück auch weg. Schmerzen in der gesamten Zeit: Größtenteils 1-2/10, in den schlimmen Phasen max. 3/10.

Heute ist Tag 17, ich kann schon wieder alles ohne Probleme essen und trinken, und ich würde sagen, mein Leben hat wieder normale Züge angenommen. Laut Freunden und Familie hat sich meine Stimme wohl leicht verändert. Das habe ich schon öfter gehört und kann aufgrund der fehlenden Mandeln wohl sein. Ich find es aber nicht weiter dramatisch.  

Ich kann glücklicherweise sagen, dass die Zeit nach der OP wirklich gut war. Natürlich hat man gemerkt, dass man eine OP hinter sich hatte, nicht wirklich körperlich belastbar ist und der Körper Ruhe braucht. Durch die Erfahrungsberichte auf dieser Seite und auch durch die Gespräche mit den Ärzten oder mit Freunden, habe ich aber mit deutlich schlimmeren Schmerzen gerechnet. Natürlich ist jeder Mensch und jeder Heilungsprozess unterschiedlich, ich bin mir jedoch sehr sicher, dass ich diesen guten Zustand zu großen Teilen der Operationsmethode zu verdanken habe. Ich kann euch also wirklich nur wärmstens ans Herz legen, diese Methode in Betracht zu ziehen. 

Hier noch ein paar Tipps, mit Dingen, die ich in der Zeit nach der OP gemacht habe: 

  • Kalten Kamillentee trinken: Mag den einen oder anderen vielleicht nicht schmecken, ist aber für nach der OP wirklich top. Es beruhigt den Hals und ist zusätzlich antibakteriell. Generell ist viel trinken essenziell, damit sich die Beläge lösen. Wenn also nicht kalten Kamillentee, dann stilles Wasser. Außerdem kann ich euch nur empfehlen den ganzen Tag und wenn möglich auch nachts regelmäßig zu trinken. Das hilft dabei, die Beläge feucht zu halten und sie nicht auszutrocknen. Das hilft dabei Schmerzen vorzubeugen. 
  • Wassereis: Mein heiliger Gral in den letzten Wochen war Wassereis. Ich habe mind. 5 Wassereis pro Tag gegessen. Die sorgen nicht nur dafür, dass die Beläge befeuchtet werden, sondern die Kälte war auch wirklich sehr wohltuend bei Schmerzen. 
  • Kühlkrawatten: Ich habe eigentlich dauerhaft meinen Hals gekühlt und auch teilweise zusätzlich nachts meinen Nacken. Mir hat das sehr gutgetan und es hat teilweise auch die Schmerzen gelindert. 
  • Ingwer-Kapseln: Wie eingangs bereits beschrieben, habe ich die Wochen vor der OP jeden Tag Ingwer-Kapseln eingenommen. Ich kann jetzt zwar nicht sagen, wie die Schmerzen und der Heilungsprozess ohne gewesen wären, aber geschadet hat es wohl nicht. Falls ihr überlegt es auch zu nehmen, dann wohl aber nach der OP 😀
  • Kaugummi kauen: Ab dem zweiten Tag habe ich immer mal wieder zuckerfreies Kaugummi gekaut. Das soll auch hilfreich sein, um die Beläge feucht zu halten. Tastet euch da am besten erstmal ran und schaut, wie es funktioniert. Ich habe die ersten Tage immer nur ein halbes Kaugummi gekaut, weil ich nicht wollte, dass es die Wunden berührt oder ich mich daran verschlucke. 
  • Luftbefeuchter: Als ich wieder zuhause war, habe ich nachts mit Luftbefeuchter geschlafen. Auch hier war wieder der Hintergrund, dass so die Beläge feucht gehalten werden können. Mir hat es ganz gut getan und die Schmerzen wurden abends bzw. nachts etwas weniger. 
  • Essen: Sollte wahrscheinlich niemanden überraschen, aber denkt daran die ersten Tage bzw. Wochen nach der OP nur weiche Lebensmittel zu essen und darauf zu achten, dass sie nicht zu heiß oder zu stark gewürzt sind. Tastet euch aber auch selbst vor und esst nicht ausschließlich weiche Lebensmittel. Ich habe versucht jeden Tag etwas „Normaleres“ zu essen, auch damit sich die Beläge etwas besser lösen. Übertreibt aber nicht und sprecht im besten Fall auch mit eurem/ eurer Ärzt*in. Zu schnell feste Lebensmittel sollte man natürlich auch nicht essen, da die dafür sorgen könnten, dass sich die Beläge zu schnell lösen und es zu Nachblutungen kommt. 

Ich hoffe, dieser Erfahrungsbericht konnte euch helfen. Ich drücke allen, die die OP noch vor sich haben, die Daumen. So schlimm wie man sich es vorstellt ist es gar nicht und auch die nervige Zeit nach der OP geht vorbei. Ich kann euch wirklich empfehlen euch vorher gründlich zu informieren und auch verschiedene Ärzt*innen zu vergleichen. Ich bin sehr froh, dass ich mehrere Jahre gewartet und die OP gemacht habe, als es sich für mich richtig angefühlt hat. Also vertraut eurem Bauchgefühl, schiebt es aber auch nicht ewig vor euch her, da dauer-geschwollene Mandeln oder immer wiederkehrende Mandelentzündungen auch nicht so gut für eure Gesundheit sind. 

Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer OP und eine schnelle Genesung!

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